Die Färöer-Inseln

Die Färöer-Inseln, eine autonome Gruppe von 18 Inseln, welche zur dänischen Krone gehören und sich im Nordostatlantik etwa in der Mitte zwischen Norwegen und Island befinden. Die Inselgruppe umfasst 1.339 km2 und kein Ort ist weiter als 5 km von der Küste entfernt. Die einzelnen Inseln sind auf eine herausragende Weise mit Straßentunnels verbunden. Die grünen Felseninseln, auch Schafsinseln genannt, sind von den Wikingern um das Jahr 1000 zum ersten Mal besiedelt worden und diese haben den Grundstock für dieses Inselvolk gelegt. Neben den etwa 50.000 Einwohnern zählt man etwa 75.000 Schafe.

Die Färöer-Inseln sind vulkanischen Ursprungs und werden auf etwa 60 Millionen Jahre geschätzt, eine einzige Thermalquelle erinnert an diese Zeit. Die Inseln bestehen aus Basalt, der sich in charakteristischen Stufen mit weicheren Tuffschichten abwechselt.  Bedingt durch den einströmenden Golfstrom herrschen auf den Inseln vergleichsweise milde Temperaturen – im Durchschnitt 11 °C im Sommer und 3 °C im Winter.

 Aufbau eines integrierten und intelligenten Energiespeichersystems

Aufgrund der nachhaltigen Politik, welche die Länder des Nordischen Rates seit Jahren verfolgen, hat die färöische Regierung das Ziel ausgegeben, die Unabhängigkeit von den fossilen Energieträgern bis zum Jahr 2030 zu erreichen – dies durch die ständig steigende Nutzung der vorhandenen Windenergie- und der Wasserkraftressourcen. Der Anteil der erneuerbaren Energie liegt bereits bei 56 % im Bereich der Erzeugung von elektrischer Energie. Die Wärmeenergie wird mittels elektrischer Wärmepumpen mit hohem Nutzungspotenzial bereitgestellt.

Anlässlich meines Besuchs auf den Färöer-Inseln erklärte Terji Nielsen, Projektmanager des Energieversorgungsunternehmens für die elektrische Energie SEV, dass alle zur Verfügung stehenden erneuerbaren Energieressourcen optimal genutzt werden müssen. Dies verlangt jedoch eine hohe Stabilität und Zuverlässigkeit des Versorgungsnetzes – dies aufgrund der Einspeisung der unregelmäßig erzeugten elektrischen Energie.

Auf den Inseln wurden neben den bestehenden fünf Windenergieanlagen (WEAn) 13 weitere WEAn mit einer installierten Gesamtleistung von 12 MW auf dem Plateau Húsahagi, nördlich der Hauptstadt Tórshavn auf Streymoy, der größten und am dichtesten besiedelten Insel des Archipels, aufgestellt. Der im Jahr 2014 in Betrieb genommene WEA-Park erhöht den Anteil der Windenergie auf 26 % der gesamten Erzeugung an elektrischer Energie auf den 17 bewohnten Inseln.

Die Lithium-Ion-Batterieanlagen dienen der Speicherung und der Glättung

Hinsichtlich der steigenden Nutzung der schwankenden erneuerbaren Energien darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Speicherung von überschüssiger elektrischer Energie eine wichtige Rolle zufällt. Es gibt wohl mehrere Speichertechnologien, das Energieversorgungsunternehmen SEV hat sich jedoch für die Speicherung mit neu entwickelten Batterien entschieden. Diese gewährleisten eine hohe Netzstabilität und Versorgungssicherheit. Darüber hinaus dient die Speicherung der Stabilisierung der Frequenz auf 50 Hz – ein Ungleichgewicht zwischen der Nachfrage und der Erzeugung darf nicht aufkommen.

Das Lithium-Ion-Projekt verfügt über zwei Container-Batteriesysteme und weist eine Kapazität von 700 kWh auf. Es wurde erst im Dezember 2015 in Betrieb gesetzt. Das 2,3-MW-Projekt dient ebenfalls zur sekundenschnellen Glättung der Einspeiseschwankungen der elektrischen Energie aus den 13 WEAn in Húsahagi. Auf diese Weise lassen sich die möglichen Drosselungen der Einspeiseleistung durch das Energieversorgungsunternehmen,. welche sich negativ auf die Rentabilität der WEAn auswirken würde, während den Starkwindphasen bei gleichzeitig geringer Energienachfrage vermeiden. Dergestalt wird die die Stabilität des gesamten Versorgungsnetzes auf den Inseln optimiert. Es möge im Übrigen darauf hingewiesen werden, dass die mittlere Windgeschwindigkeit etwa 10 m/s beträgt, weitaus mehr als im Binnenland. Es handelt sich dieser Anlage um das erste kommerzielle Lithium-Ion-Energiespeichersystem zur betrieblichen Unterstützung eines Windparks in Europa.

Neben dem Besuch dieser äußerst faszinierenden technischen Anlage sei dem Besucher empfohlen, einige Tage auf den Färöern zu verbleiben, verfügen diese doch über herrliche Landschaften und eine unberührte Natur. Die Abwesenheit einer Eisenbahnstrecke war für mich der einzige Wermutstropfen währen dem Aufenthalt auf den Schafsinseln.

Marcel Oberweis

27. Oktober 2016: Die Lebensmittelverschwendung – ethisch nicht vertretbar

Marcel Oberweis

Jährlich landen 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel auf den Müllhalden, während gleichzeitig weltweit 865 Millionen Menschen Hunger leiden. Ein Drittel von dem, was weltweit an Lebensmitteln auf den Agrarflächen produziert wird, geht demnach „verloren“, entweder durch Beschädigung bei der Herstellung, beim Transport oder durch ihr Verderben in den Lagern, den Läden und den Haushalten. In den Entwicklungsländern verderben bis zur Hälfte aller Lebensmittel auf dem Weg vom Acker bis zum Teller u.a. mangelnde Transportwege und fehlende Vermarktungsmöglichkeiten.

Es ist der hohe Wohlstand in den reichen Industrieländern sowie den aufstrebenden Schwellenländern einerseits und der unverantwortliche Umgang mit den Lebensmitteln andererseits, die als hauptsächliche Ursachen für die Lebensmittelverschwendung gelten.

Der gesellschaftliche Gesamtschaden, der durch diese unfassbare Vergeudung entsteht, wird auf jährlich etwa 2.600 Milliarden $ geschätzt. Damit könnten alle hungernden Menschen dieses Planeten im Überfluss versorgt werden. Es ist demzufolge nicht vertretbar, wenn genießbare Lebensmittel auf den Müllhalden landen.

Laut der FAO-Studie „Global food and food waste“ liegt die jährliche pro Kopf- Verschwendung in der Europäischen Union, über die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet, zwischen 280 bis 300 kg Lebensmitteln. Des Weiteren wird geschätzt, dass jeder einzelne EU-Bürger jährlich zwischen 95 bis 115 kg Essen in die Mülltonne wirft. In Luxemburg beträgt die jährlich weggeworfene Menge Lebensmittel etwa 123 kg pro Einwohner, dies entspricht in etwa einem Wert von 210 Millionen Euro.

Gemäß einer von der Europäischen Union finanzierten Studie gehen 42 Prozent aller weggeworfenen Lebensmittel auf das Konto der privaten Haushalte. 39 Prozent landen bei den Herstellern im Müll, 14 Prozent in der Gastronomie und fünf Prozent bei den Einzelhändlern. In den Ländern der Subsahara und Südostasien werden jährlich lediglich 6 bis 11 kg Lebensmittel pro Kopf weggeworfen.

Die Ursachen für das ethisch nicht vertretbare Verhalten

Bei der Definition des Mindesthaltbarkeitsdatums liegen ebenfalls viele Irrtümer vor, denn dieses gibt nicht an, wann ein Produkt verfällt, sondern, wie lange es mindestens haltbar ist. Viele Lebensmittel könnten, vorausgesetzt sie werden ordnungsgemäß gelagert, noch Tage und Wochen nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums bedenkenlos verbraucht werden. Die Verbraucher sind verunsichert und sind der irrigen Meinung, dass es gesundheitsgefährdend sei, die Lebensmittel noch zu verbrauchen.

Neben dem überschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatum sind auch die beschädigte Verpackung oder das lädierte Äußeres schon Grund genug für die frühzeitige Entsorgung. Viele Kartoffelbauern müssen bereits bis zu 50 Prozent ihrer Kartoffeln auf dem Feld aussortieren, da sie nicht den vom Handel und den Verbrauchern gewünschten Standards in Form oder Aussehen entsprechen. Mit ähnlich negativen Einstellungen seitens der Kunden sehen sich die Gemüse- und Obstbauern konfrontiert.

In der vernetzten Welt werden die Wertschöpfungsketten immer länger. Das bedeutet, dass zwischen Produzenten und Verbrauchern immer mehr Zwischenhändler, Logistiker, Verpackungs- und Lagerungsspezialisten eingebunden sind. Es muss demzufolge zu einer verbesserten Abstimmung zwischen dem Angebot und der  Nachfrage entlang der genannten Lieferkette kommen.

Das Verhalten hinsichtlich der Vernichtung von Lebensmitteln wirkt sich ebenfalls dramatisch auf unsere Umwelt aus. Jedes Lebensmittel braucht für seine Herstellung kostbare Ressourcen: Wasser und Dünger, wertvoller Ackerboden, Energie für die Ernte, Verarbeitung und Transportkosten – Ressourcen, die mit jedem weggeworfenen Lebensmittel sinnlos verschwendet werden. Die landwirtschaftlichen Flächen werden umsonst mit Millionen Litern Wasser bewässert und oft mit Pestiziden und Düngern belastet. Riesige Landstriche werden verwüstet und Wälder umsonst gerodet. Insgesamt beläuft sich der Schaden für die Umwelt auf etwa jährlich 600 Milliarden Euro und die nachgelagerten sozialen Schäden verursachen zusätzliche jährliche Kosten im Wert von rund 800 Milliarden Euro. Einige Beispiel zur Illustration: Etwa 700 l Wasser werden benötigt, um  ein kg Äpfel zu ernten und etwa 1.000 l Wasser bei der Produktion von einem kg Brot. Um ein kg Rindfleisch auf den Markt zu bringen, werden 15.000 l Wasser aufgewendet.

Viele Millionen Tonnen Lebensmittel, die im Abfalleimer landen, stammen nicht aus der lokalen oder regionalen Produktion, sondern werden über weite Transportstrecken mit hohen Treibhausgasemissionen zu den Verbrauchern befördert. Die beschriebene gigantische Lebensmittelverschwendung bedeutet, laut der UNEP die unnötige Belastung der Umwelt durch die Treibhausgase in Höhe von jährlich 3,3 Milliarden Tonnen – dies mit steigender Tendenz.

Falls sich ein Nahrungsüberschuss  einstellt, dann sollte dieser in den Kompost- oder den Biogasanlagen verarbeitet werden. Die anfallenden Energien verringern z.T. den Verbrauch an fossilen Energieträgern und das Produkt aus dem Fermenter kann auf den landwirtschaftlichen Flächen ausgetragen werden. Da jedoch für den Abtransport der nicht in den Konsum gelangenden Lebensmittel teure Energien benötigt und unnötige Treibhausgasemissionen hervorgerufen werden, sollen diese möglichst nahe am Ort der Produktion verarbeitet werden.

Zu dieser riesigen Menge an „entsorgten“ Nahrungsmitteln aus der Land- und Obstwirtschaft fallen ebenfalls jährlich 38 Millionen Tonnen an Fischen und Meerestieren (etwa 40 Prozent der weltweiten Fangmenge) an, die als Rückwurf vernichtet werden. Dies zerstört auf lange Sicht den Lebensraum Ozean. Wie kann man akzeptieren, dass diese Lebewesen wie Müll behandelt werden? Ein Lichtblick ist indes das neue Fischereigesetz der Europäischen Union, laut welcher der Rückwurf bis zum Jahr 2019 nicht mehr toleriert wird.

Schlussgedanken

Es ist mir wohl bewusst, dass keiner von den hungrigen Menschen unmittelbar satt wird, wenn wir dem Umgang mit Lebensmitteln eine höhere Bedeutung beimessen. Aber aus Respekt vor den Mitmenschen müssen wir sorgsam mit den Lebensmitteln umgehen, denn unser nicht ethisches Verhalten trägt zur Verknappung der Lebensmittel  bei und erhöht deren Preise. Es kann ebenfalls nicht mehr toleriert werden, dass die angebotenen heimischen Lebensmittel auf den lokalen und regionalen Märkten der Entwicklungsländer keinen Kunden finden, nur weil die aus den reichen Ländern dorthin exportierten Überflussmengen den Markt überfluten und im Gefolge den Kleinbauern ihre Existenzgrundlage zerstören.

Die Europäische Union übernimmt  diesbezüglich eine Vorreiterrolle, indem sie sich das Ziel gesetzt hat, den Handel mit den Entwicklungsländern auf eine faire Stufe zu heben und die Menge der anfallenden Lebensmittelabfälle in den Mitgliedsländern auf die Hälfte bis zum Jahr 2020  zu verringern. Nur wenn alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette ihre Pflicht erfüllen und den Lebensressourcen mit Respekt begegnen, können die angestrebten Ziele erreicht werden.

In dieser gesamtgesellschaftlichen Diskussion kommt man jedoch nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass die ersten wichtigen Schritte in den Familien, in den Kindergärten, in den Schulen und in den öffentlichen Kantinen durchgeführt werden müssen. Nur wer die globalen Zusammenhänge in Bezug auf die Ernährung der Weltbevölkerung und die Lebensmittelvernichtung versteht, ist genügend motiviert, sein Verbrauchsverhalten zu überdenken.

 

 

 

Kann der Marshallplan die Migration in Afrika bremsen?

Marcel Oberweis

Die Weltgemeinschaft sieht sich derzeit an mehreren Fronten herausgefordert, seien es der unsägliche Krieg in Syrien, die nicht endenden Spannungen in Zentralafrika, die schier unaufhaltsame Migration junger Menschen aus vielen Teilen der Erde in Richtung Europäische Union und die schleichenden negativen Konsequenzen des Klimawandels. Die Asylsuchende, welche nach dem definitiven Aus der Balkanroute, vermehrt ihr Glück in Europa über das Mittelmeer suchen, sind jedoch nur ein geringer Teil der etwa 65 Millionen Menschen, welche sich derzeit auf der Flucht befinden. Leider dient die Migration allzu oft als ein bequemes Ventil für die korrupten Regime in manchen Entwicklungsländern, um den Druck der Straße zu lindern. Anstatt vor Ort die Probleme dauerhaft zu lösen, ermuntern sie die Jugendlichen zur „Wanderung“ in eine ungewisse Zukunft.

Die Migration ruft in einem verstärkten Maß Misstrauen bei vielen EU-Bürgern hervor, welche seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehr oder weniger auf der „Lichtseite der Welt“ stehen. Auch wenn sich noch einige Mitbürger an die eigene Flucht während und nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern, so ist dieser Tatbestand für die beiden letzten Generationen praktisch ein Fremdwort geworden. Obwohl die rechtsextremen Parteien in vielen EU-Mitgliedsländern von dieser Situation Profit erzielen, darf nicht verkannt werden, dass Millionen EU-Bürger den „gestrandeten Menschen“ auf eine höchste lobenswerte Weise helfen.

Die Ursachen der Flüchtlingsbewegung – Gewalt, Diktatur, Unterdrückung, Korruption, Kapitalflucht, Ausbeutung und Missachtung der Menschenrechte – müssen konsequent ausgerottet werden. Nur wenn die Kriege u.a. in Afghanistan, im Nahen Osten und in Afrika sowie die Missstände beendet sind, werden die Millionen Menschen in ihre Heimatländer zurückkehren und ihre Zukunft aufbauen. Mit umfangreichen langfristigen Hilfsprogrammen werden die Menschen den ersehnten Frieden mitsamt den Perspektiven für ein besseres Leben erhalten. Gelingt dies nicht, dann wandern weitere Millionen Menschen aus dem armen Süden in den reichen Norden.

Neben den regionalen Kriegen gelten der Klimawandel, die prekäre Wasserversorgung und die unzureichende Ernährungslage, die Verringerung der landwirtschaftlichen Flächen, die fehlenden Infrastrukturen und die Energieversorgung als weitere Ursachen. Die Überschwemmungen, die erhöhten Monsunregenmassen, das Anwachsen der Wüstengebiete, die Verschiebung der Vegetationszonen sowie die Meeresspiegelerhöhung sind weitere Ursachen. Der Klimawandel wird vor allem dort verheerende Konsequenzen haben, wo Millionen Menschen ihre Ernährung den Gletschern und den durch sie hervorgerufenen Flüssen verdanken. Durch das Schmelzen von Gletschern werden viele große Flusssysteme u.a. in Afrika und Asien weniger Wasser führen und die Ernährung von Hunderten Millionen Menschen kann nicht mehr garantiert werden – dies führt unweigerlich zu weitreichenden sozioökonomischen und ökologischen Problemen.

Wenn die Entwicklungszusammenarbeit einen Sinn haben soll, dann müssen die reichen Industrie- und die aufstrebenden Schwellenländer ihre Außenpolitik, ihre Handelspolitik und ihre Entwicklungszusammenarbeit grundlegend überdenken. Haben nicht die Weltbank und der Internationale Währungsfonds durch ihre aufgezwungenen strukturellen Anpassungsprogramme während den vergangenen Jahrzehnten die Armut in den Entwicklungsländern eher erhöht, denn gelindert. Die Tatsache, dass die erwirtschafteten Gewinne von den internationalen Konzernen abgeschöpft werden, anstatt diese in den Ländern zu reinvestieren, muss angeprangert werden.

Anlässlich des UN-Sondergipfels in New York im September 2015 wurden die neuen 17 nachhaltigen Entwicklungsziele für die kommenden 15 Jahre verabschiedet. Mit diesen Zielvorgaben soll der Hunger in der Welt „ausradiert“ werden, wohlwissend, dass noch fast 800 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung leiden. Man kann nur hoffen, dass die anlässlich der COP21 in Paris versprochenen 100 Milliarden Euro ab dem Jahr 2020 auch bereitgestellt werden.

Die missliche Lage der kleinbäuerlichen Familienbetriebe

Eines der Grundübel für die verstärkte Flucht von Jugendlichen vor allem aus den Ländern der Subsaharazone ist die überaus missliche Lage der kleinbäuerlichen Betrieben, denn es herrschen dort Hunger, Elend und Perspektivlosigkeit. Die von den Kleinbauern bestellten landwirtschaftlichen Flächen weisen eine durchschnittliche Fläche von einigen ar bis wenige ha auf und viele Millionen Kleinbauern sind nicht im Besitz der von ihnen bestellten Flächen. Die Böden der Subsahara sind ausgelaugt und es mangelt an organischen Dünger für die Pflanzen. Hinsichtlich des Grundnahrungsmittels Mais liegt der Ertrag bei einer Tonne pro ha – ein Zehntel der Ernte in den Vereinigten Staaten von Amerika oder in der Europäischen Union. Aufgrund der geringen finanziellen Mittel können sich die Kleinbauern keine Düngemittel leisten, sodass die Ernteerträge immer geringer ausfallen und die Familien nicht ernährt werden können.

Die Landwirtschaft in Afrika verfügt über 400 Millionen ha, davon werden nur knapp 10 Prozent beackert. Deshalb müssen die afrikanischen Staaten 30 bis 50 Milliarden $ für ihre Lebensmittelimporte aufwenden. Würde die afrikanische Landwirtschaft genügend Agrarprodukte erzeugen, könnten diese hohen finanziellen Mittel für andere lebenswichtige Investitionen verwendet werden. Der Kampf um ertragreiche Landflächen und genügend Wasser wird sicherlich zu regionalen Kriegen führen. Um Erfolge auf breiter Front aufzuweisen, bedarf es eines mehrjährigen Lernprozesses, damit einjährige und mehrjährige Pflanzen gemeinsam angebaut und ertragreiche Fruchtwechselperioden organisiert werden. Es leuchtet deshalb ein, dass nur eine umfassende Stärkung der Landwirtschaft die Hungersnot eindämmen resp. ausmerzen kann.

Die negativen Auswirkungen des Klimawandels führen zu einer Verschlimmerung der sozioökonomischen und gesundheitlichen Probleme. Bedingt durch den Umstand, dass z.B. mehr als 70 Prozent der in Afrika landwirtschaftlich genutzten Fläche stark degradiert und 66 Prozent des Kontinentes als Ödland und Wüsten eingestuft sind, wird der Klimawandel die Ernährungslage und die Wasserversorgung noch prekärer gestalten. In Anbetracht der Tatsache, dass sich jährlich etwa 12 Millionen ha Agrarflächen laut der UNCCD (United Nations Convention to Combat Desertification) in Wüste verwandeln, wird sich die landwirtschaftlich nutzbare Fläche in Afrika permanent verringern. Laut den Angaben des Weltfriedensdienstes werden die direkten Kosten der Wüstenbildung weltweit auf jährlich etwa 42 Milliarden $ geschätzt und Hunderte Millionen werden ihr Heimat verlassen.

Kommt dann noch das Landgrabbing dazu, dann dürfte die Hoffnung, mehr ernten und mehr verdienen, um die Familie zu ernähren – ein Ding der Unmöglichkeit sein. Bedingt durch die wachsende Weltbevölkerung schaffen es viele Länder nicht mehr, genügend Nahrungsmittel im eigenen Land herzustellen, sie sind auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Ein Ausweg für die reichen Länder u.a. China, Indien und Südkorea sowie die reichen Erdölförderstaaten, besteht seit einigen Jahren im Ankauf von riesigen ertragreichen Agrarflächen in den Entwicklungsländern. Sie sichern somit die Ernährung der eigenen Bevölkerung auf Kosten der Ärmsten der Welt. Andere Länder pachten diese Landflächen langfristig zum Anbau von Agrotreibstoffen, da sie von den fossilen Energieträgern abrücken möchten. Dies erhöht den Wert dieser Flächen und lockt die Spekulanten zur Investitionen in ertragreiche Ackerflächen, wohlwissend, dass sie die Biodiversität in den Entwicklungsländern schädigen und den dort lebenden Menschen zusätzlich das Wasser „klauen“. Insbesondere in den Ländern, in welchen weder das Parlament noch die Zivilgesellschaft eine Kontrollfunktion ausüben, bereichern sich die herrschenden Eliten durch die willkürliche Vergabe von Landkonzessionen.

In den vergangenen Jahren wurden etwa 60 Millionen ha Ackerland in den Entwicklungsländern, davon viele Millionen ha in den Ländern der Subsaharazone, aufgekauft oder gepachtet – dies im Gegenwert von annähernd 1.000 Millionen $. Allein in Afrika wurden 70 Prozent der Landflächen durch das „Landgrabbing“ belegt. Man muss sich vorstellen, dass diese 60 Millionen ha Fläche rund einem Drittel der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche der Europäischen Union entspricht. Die Kleinbauern müssen ohnmächtig zusehen, wie ihre überlieferte Sozialstruktur zerstört und das bereits schwache ökologische Gleichgewicht schwer beschädigt werden. Die ersten Probleme um ertragreiches Weideland und die wenigen verbliebenen Agrarflächen sind bereits zwischen den Wanderhirten und den Kleinbauern entbrannt.

Das Landgrabbing trifft vor allem die Frauen, denn sie sorgen für die Selbstversorgung in den kleinbäuerlichen Familienbetrieben, sie besitzen jedoch fast nie das von ihnen bearbeitete Land und sind zusätzlich weder wirtschaftlich noch rechtlich abgesichert. Es leuchtet demzufolge ein, dass nur sichere Pacht- und Eigentumsverhältnisse sowie vergleichbare Formen von Gemeinschaftseigentum samt den entsprechenden Wassernutzungsrechten die unverzichtbare Voraussetzung dafür sind, dass die kleinbäuerlichen Betriebe in die eigene Zukunft investieren.

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass das Landgrabbing das Menschenrecht auf die angemessene Ernährung schwer verletzt. Dieses Recht ist ein wichtiger Teil des geltenden Völkerrechts und im Artikel 11 des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte aus dem Jahr 1966 verankert. Die nationalen Regierungen sind verpflichtet, das Menschenrecht auf Nahrung zu respektieren, die Bevölkerung muss sich durch die eigene Nahrungsmittelproduktion und ohne fremde Hilfe angemessen ernähren können. 

Der Marshall-Plan für Afrika: ein Lichtblick

Ein Blick zurück zeigt, dass die Industriestaaten mehr als 4.000 Milliarden $ den Entwicklungsländern seit dem Jahr 1960 zur Verfügung stellten, mit dieser Finanzhilfe sollte die Wirtschaft in den unabhängigen Ländern angekurbelt werden. Der in Washington lehrende ghanaische Wirtschaftswissenschaftler George Ayittey rechnete vor einigen Jahren aus, dass seit dem Jahr 1960 von den westlichen Staaten die Summe von sechs Marshall-Plänen nach Afrika gepumpt wurde. Durch den steten Geldfluss wurden jedoch die Innovationen gelähmt, die Eigendynamik verhindert und die Korruption gefördert. Das Fazit ist eher ernüchternd, mit diesen finanziellen Mitteln hat sich der Wohlstand nicht ausgebreitet. Die bisher angewandte Politik der Hilfestellung muss demzufolge grundlegend geändert werden.

Wenn Erfolge ausgewiesen werden sollen, dann nur durch die tatkräftige Unterstützung der Familienbetriebe und der kleinbäuerlichen Betriebe. Ihnen muss die Chance eingeräumt werden, Dienstleistungen und Produkte für den lokalen und regionalen Markt anzubieten. Wenn die kleinbäuerlichen Familienbetriebe über ein ausreichendes Einkommen verfügen, werden sie den Kampf gegen die Armut und die Unterernährung mit Erfolg gewinnen – dies im Rahmen der Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele. Mittels der Mikrokredite werden sich die Kleinbauern erfolgreich als „Agripreneurs“ auf den lokalen und regionalen Märkten behaupten. Es widerspricht deshalb jeder Ehrlichkeit, wenn die reichen Länder durch den massiven subventionierten Export ihrer „überflüssigen“ Agrarprodukte in die Entwicklungsländer den Kleinbauern dort die Existenz zerstören. Afrika muss als Handelspartner willkommen sein und nicht nur als Lieferant von billigen Rohstoffen. Wenn kein Paradigmenwechsel eintritt, dann wird sich die Perspektivlosigkeit erhöhen.

Der von der Europäischen Kommission angedachte Entwicklungsfonds für Afrika (European External Investment Plan) kann sicherlich für den Aufschwung sorgen. Ähnlich dem Marshall-Plan, mit dem die USA dem vom Zweiten Weltkrieg zerrütteten Europa wirtschaftlichen Aufschwung und politische Zuversicht gaben. Durch die bereitgestellten Finanzmittel wird die Modernisierung der Länder vorangetrieben und die wirtschaftliche Grundlage geschaffen, damit Elend und Hunger besiegt werden können. Im Gefolge werden die benötigten Arbeitsplätzte geschaffen, welche den Jugendlichen die Möglichkeiten bieten, in ihren Heimatregionen zu verbleiben und ihre Zukunft zu gestalten. Es sei hier die Frage gestellt, warum man den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank jahrelang in ihrem unilateralen Gebaren gewähren ließ, mit der Folge, dass blühende regionale Wirtschaftszweige ausradiert wurden. Der Marshall-Plan für Afrika soll nicht die afrikanischen Regierungen, sondern vor allem die Menschen direkt miteinbinden, gemäß der Losung: „Die Afrikaner müssen lernen, ihre Probleme selbst zu lösen, denn sie waren lang dem Paternalismus ihrer Kolonialherren ausgeliefert.“

Der Marshall-Plan soll zu Beginn mit 44 Milliarden Euro gefüllt und durch die Teilnahme anderer Partner auf 88 Milliarden Euro erhöht werden. Nur wenn Frieden und Aufbruchsstimmung herrschen, wird Afrika die Entwicklung durchführen, von denen die Menschen dort seit ihrer Unabhängigkeit träumen. Vor allem muss dafür gesorgt werden, dass die Korruption der Regierungen ausgemerzt wird, die landwirtschaftlichen Flächen gerecht verteilt werden und das Landgrabbing eingestampft wird. Die Begrenzung der Wüstenvergrößerung und die Bereitstellung von gesundem Wasser sowie der Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung für alle Menschen stellen weitere Elemente dar.

Afrika zählt heute noch zu den großen Verlierern der Globalisierungspolitik und nur die erhöhte Teilnahme am Welthandel wird die Lage der Menschen verbessern. In Anbetracht der vielen natürlichen Ressourcen u.a. Wasserkraft, Windenergie, Biomasse und Sonnenenergie sowie dem Bodenschätzen, muss der Anteil Afrikas am Welthandel auf weit über die derzeitigen drei Prozent erhöht werden. Die internationale Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika muss in vollkommen neuen Dimensionen konzipiert werden. In einem früheren Artikel hatte ich auf das Projekt „Desertec“ hingewiesen, welches die Solarenergie in den Wüstengebieten der Sahara „einfängt“ und die erzeugte elektrische Energie den Menschen in Afrika zur Verfügung stellt, der Überschuss würde mittels Hochspannungsgleichstromübertragungsleitungen gegen Devisen in die Europäische Union exportiert. Auch wenn der Gedanke aus unterschiedlichen Gründen nicht realisiert wurde, so darf mit Stolz auf das 500 MW-Projekt in Ouarzazate in Marokko hingewiesen werden. Langfristig ist ein energie- und umweltpolitischer Strukturwandel auf der globalen Ebene erforderlich. Wir werden Abschied von wirtschaftlichen Verhaltensmustern nehmen müssen, die die Belange von Mensch und Umwelt außer Acht lassen.

Da gewusst ist, dass die Bildung für alle Erdenbürger ein elementares Recht darstellt, muss erreicht werden, dass die Frauen und Jugendlichen den Zugang zur Primärschule und Sekundärschule erhalten. Die folgende Aussage besagt alles: „Die extreme Armut entsteht durch den Teufelskreis – Wer arm ist, findet durch fehlende Bildung und schlechte Gesundheit keinen Zugang zu produktiver Beschäftigung und seine Lage verschlechtert sich zusehends.“

Erinnert sei an dieser Stelle, dass derzeit fast fünf Milliarden Menschen kein größeres Ziel vor Augen haben, als den ökologisch katastrophalen Wirtschaftsstil der reichen Milliarde Menschen zu kopieren. Diejenigen die auf der obersten Sprosse der sozialen Leiter stehen, kümmern sich nicht um das Geschehen auf der untersten Sprosse – dort wo Hunger und Elend herrschen und deren Explosionskraft die Leiter zusammenstürzen lässt. Die derzeitige Lebensweise der Menschen in den Industrienationen kann kein Vorbild sein – würde sie von den Entwicklungsländern übernommen, dann werden die gemeinsamen natürlichen Lebensgrundlagen zerstört und das Leben auf der Erde unmöglich gemacht.

Schlussgedanken

Die Bekämpfung der Armut und die nachhaltige Entwicklung sollen letztendlich dazu führen, dass der Graben zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden kleiner wird. Die Verwirklichung einer sozial- und umweltgerechten Lebens- und Wirtschaftsweise in den Entwicklungsländern, so lange und schwierig dieser Prozess auch sein mag, eröffnet ungeahnte Gestaltungsspielräume, die wir im Sinne einer gemeinsamen Welt durchführen müssen.

Eine wichtige Voraussetzung hierzu besteht darin, alle Länder und alle Menschen am weltweiten Handel teilnehmen zu lassen sowie alle am technischen Fortschritt und an der Verfügbarkeit von Informationen und Ressourcen zu beteiligen. Dies kann geschehen, wenn die politisch Verantwortlichen sich davon leiten lassen, dass sie die Kohärenz von Wirtschafts-, Außenpolitik und Entwicklungspolitik anstreben, denn nur eine vernetzte Sicht erlaubt die erfolgreiche Bekämpfung der Fluchtursachen in Afrika.

Catarina de Albuquerque auf Ländermission in Brasilien

Catarina de Albuquerque auf Ländermission in Brasilien

© OHCHR

Trinkwasserversorgung in Pakistan

Trinkwasserversorgung in Pakistan

© dpa/picture alliance

Sollte sich jedoch kein kurzfristiger Erfolg hinsichtlich der Entwicklungszusammenarbeit und der Erhöhung des Wohlstandes in Afrika einstellen, dann dürfte sich die Zahl der Flüchtlinge von heute 65 Millionen auf 150 Millionen im Jahr 2050 erhöhen.

Sieht es diesbezüglich nicht heuchlerisch aus, wenn die Europäische Union die afrikanischen Staatschefs nach Valetta (Malta) im November 2015 einlud und ihnen eine Milliarde Euro gab, damit sie die Grenzen besser bewachen, umso die Flüchtlinge daran zu hindern, an die Pforten der Reichen anzuklopfen. Die Beseitigung der Armut und die Förderung der Demokratie stellen lange, schwierige Prozesse dar, bei denen es wohl immer wieder Rückschläge gibt. Aber diese Anstrengungen sollte man dem schlimmeren Schicksal gegenüberstellen, welches in den Diktaturen zu ertragen ist: Wirtschaftliche Stagnation, humanitäre Katastrophen, Ausbeutung, blutige Konflikte und Verelendung breiter Massen.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir die Flüchtlingströme sobald nicht abbremsen können, denn die vorherrschenden Probleme sind von gigantischer Tragweite. Aber Wegblicken und keine Hand mitanlegen zur Verbesserung wird die Lage auf das Schärfste verschlimmern. Deshalb gilt die Mantra: „Wer die Ärmsten der Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug, um zu helfen.“

 

 

Das Wachstum der Megastädte zeigt katastrophale Folgen

Das Wachstum der Megastädte zeigt katastrophale Folgen.

Prof. Dr.-Ing. Marcel Oberweis

Um die Zeitenwende lebte, laut den Vereinten Nationen, etwa 300 Millionen Menschen und zu Beginn der Moderne etwa 500 Millionen Menschen auf dem Planeten. Mit der Nutzung der Kohle wuchs die Weltbevölkerung durch den technischen Fortschritt beständig sodass die erste Milliarde Menschen um das Jahr 1815 gezählt wurde. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts waren es bereits zwei Milliarden Menschen und es leben derzeit 7,4 Milliarden auf der Erde.

Um das Jahr 1800 bevölkerten 35 Millionen Menschen (drei Prozent der Weltbevölkerung) die Städte, um das Jahr 1900 waren es 165 Millionen (zehn Prozent) und im Jahr 1950 bereits 740 Millionen (29 Prozent). Derzeit wohnen rund 54 Prozent (3,6 Milliarden Menschen) der Weltbevölkerung in den Städten.

Laut den Prognosen werden 9,6 Milliarden Menschen im Jahr 2050 leben, davon 6,4 Milliarden in den Städten. Zwei von drei Menschen werden dann in den städtischen Gebieten – den Megastädten – leben. Bis zum Jahr 2030, so die Aussagen der Vereinten Nationen, werden 64 Prozent in Asien und 56 Prozent in Afrika in den Städten leben. Im Jahr 2050 werden, wenn der Trend anhält, zwei Drittel aller Menschen in den Städten und den Megastädten leben.

Unter dem Begriff Megastadt versteht man dicht besiedelte städtische Zentren mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. Diese sind weit mehr als einfach nur enorm große Städte, sie sind vor allem ungeheuer dynamisch und sehr komplex. Die ökologischen, die wirtschaftlichen, die sozialen und die politischen Prozesse überlagern sich, sie bedingen sich dabei gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig.

Der Prozess des weltweit überproportionalen Wachstums der Megastädte war in der Mehrzahl der Industrieländer Europas und Nordamerika Mitte des 20. Jahrhunderts abgeschlossen. Heute stellen wir die Verringerung der Einwohnerzahlen in deren Megastädten, außer in Tokyo, fest. Das Wachstum der Megastädte findet heute in den Schwellen- und Entwicklungsländern statt. Es liegen jedoch wesentliche Unterschiede zwischen den Megastädten in den Industrieländern und in den Entwicklungsländern – China, Indien, Indonesien und Nigeria – vor.

Im Jahr 2015 gab es 28 Megastädte und davon nur zwei in Europa: Paris und London. Im Jahr 2030 wird mit insgesamt 41 Megastädten gerechnet. Folgende Zahlen unterstreichen den Trend der Verstädterung: Tokio inklusiv des Großraumes mit 38 Millionen Einwohnern, Mumbai mit 28 Millionen, Lagos mit 24,5 Millionen, Shanghai mit 23,5  Millionen, Jakarta mit 21,2 Millionen, Sao Paulo mit 20,8 Millionen, Beijing mit 20 Millionen, Dhaka mit 19 Millionen und Mexiko-Stadt mit 19 Millionen.

Die Verstädterung stellt die entscheidende globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts dar. Ist die Wachstumsdynamik der mittleren Städte in vielen Weltregionen bereits hoch, so bergen doch die Megastädte in den Entwicklungsländern aufgrund ihrer Größe eine Fülle von Umwelt- und Gesundheitsproblemen sowie ein enormes Konfliktpotenzial. Die Megastädte der Gegenwart entwickeln sich zu Brennpunkten sozialer, infrastruktureller und wirtschaftlicher Probleme ungeahnter Ausmaße.

Die Vereinten Nationen betonen deshalb, dass die Megastadtentwicklung unbedingt mit dem Wachstum der Bevölkerung Schritt halten muss. Dringender Handlungsbedarf im Wohnungsbau, bei den Infrastrukturen, dem Verkehr, der Energieversorgung, der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung, der Gesundheitsfürsorge und dem Bildungswesen ist verlangt.

In den Schwellen- und Entwicklungsländern wächst die Stadtbevölkerung überaus stark, derweil die Landbevölkerung schrumpft. Leben heute 3,4 Milliarden Menschen in Dörfern und kleinen Siedlungen, so wird sich diese Zahl auf etwa 3,1 Milliarden im Jahr 2050 verringern. Diese urbane Wende wird von tief greifenden sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Faktoren angetrieben.

Am Beispiel von Afrika wird dies erläutert: Der Anteil der in den Städten lebenden Menschen an der Gesamtbevölkerung wird von  37 Prozent auf 53 Prozent im Jahr 2030 anwachsen – die meisten Menschen davon in den Elendsvierteln.

Die Menschen verspüren die ländliche Armut, die gravierenden Umweltproblemen, die schlechte Ernährungslage, das Landgrabbing und die fehlende Wasserversorgung – die Flucht in die Städte wird zur Mantra. Die Landflucht führt jedoch zur Schwächung der Jahrhunderte alten gewachsenen sozialen Strukturen im ländlichen Raum, zum Verblassen des überlieferten Umweltwissens und zu unsicheren Grundbesitzverhältnissen. Die zurückbleibenden Bewohner des ländlichen Raumes werden die Leidtragenden der Landflucht.

Die besonderen Kennzeichen der  Megastädte des 21. Jahrhunderts sind das unkontrollierte Wachstum und die ausufernde Slumlandschaften. Es fehlt an Kapital und fortschrittlicher Substanz. Es fehlen die Freiheit, die politische Emanzipation, der wirtschaftliche Aufschwung und die soziale Gerechtigkeit. Die Lebensqualität der Bewohner sowohl in den betuchten Gegenden wie auch in den Slums ist erschreckend gering.

In den mit Unrat und sozialen Konflikten „überladenen Vororten“ wohnen Millionen Menschen ohne angemessenen Zugang zu Trinkwasser, zu sanitären Einrichtungen, zu Bildung und Nahrung. Wohnen die Reichen dieser Länder in abgeriegelten, gut überwachten Gemeinschaften, so leben die armen Massen in den Elendsvierteln mit einer grassierenden Kriminalität. Es kann nicht genug im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit hervorgehoben werden, dass die Abwesenheit von elementaren wirtschaftlichen und politischen Grundlagen für das geordnete Wachstum die Flucht in die reichen Länder des Nordens weiter anheizen.

Ein weiteres Problem, mit dem sich die Megastädte schwer tun, ist die Beseitigung der anfallenden Müllmengen. In den meisten Fällen stehen weder gesicherte Deponien noch adäquate Verbrennungsanlagen zur Verfügung, sodass der Abfall in den Slums liegen bleibt, resp. über die Abwasserkanäle in die Flüsse und das Meer gelangt. Die hohe Bevölkerungsdichte und die unkontrollierte Flächenexpansion rufen außerdem die erhöhte Erosion hervor.

 Hohe Herausforderungen mit weltweiter Tragweite

Die Megastädte tragen zum globalen Klimawandel bei, herrschen doch hohe Schadstoffbelastungen der Luft, der Gewässer und der Böden aufgrund der Bevölkerungskonzentrationen, der völlig überlasteten Infrastrukturen und der unzureichenden Basisversorgung vor. Die hohe Bevölkerungsdichte in den Megastädten ruft die unkontrollierte krakenhafte Flächenexpansion hervor, immer stärker „fressen“ sie sich in das Umland hinein. Wächst die Nahrungsmittelproduktion nicht parallel im Umland mit, so bleiben Verteilungskonflikte nicht aus und vor allem wird sich die Überbeanspruchung des Wassers als das Damoklesschwert erweisen.

Für die Städteplaner, Soziologen, Geographen, Architekten und Ingenieure stellen sich gewaltige Probleme, für welche eine multidimensionale Lösung gesucht werden muss. Wie sollen denn die zukünftigen Städte und vor allem die Megastädte entworfen und gebaut werden, um eine ausreichende Lebensqualität für deren Bewohner zu gewährleisten. Auf welchen Energien soll die Versorgung beruhen und wie sollen die Wasser- und Abwasserentsorgung funktionieren? Woher sollen die vielen Arbeitsplätze kommen und wie sollen die Millionen Menschen transportiert werden?

Durch die hohe interne Verdichtung und externe Vernetzung der Städte ergeben sich jedoch auch Chancen für Innovationsstrategien und die Förderung nachhaltiger Wirtschaftsformen und Lebensstile, die nicht nur die Lebensverhältnisse verbessern, sondern auch eine Ausstrahlung auf die umliegende Regionen entwickeln. Die Megastädte sind somit die Schlüsselelemente einer global nachhaltigen Entwicklung, dies sowohl in den Schwellen- und den Entwicklungsländern wie in den Industrieländer.

Die Megastädteentwicklung nachhaltiger gestalten, bedeutet demzufolge das Aufsuchen einer langfristigen Friedenssicherung. Die gegenwärtige Verstädterung und die mit ihr einhergehenden sozioökonomischen Veränderungen sollen nicht zu einer Hypothek, sondern einer Chance für zukünftige Generationen werden.

Das Engagement aller Menschen auf dem Planeten ist hier eingefordert und der Aussage von Immanuel Kant: „Wenn die Gerechtigkeit untergeht, hat es keinen Wert mehr, dass Menschen auf Erden leben.“ kann ich nur beipflichten.

 

Die Verschwendung der Lebensmittel – ethisch nicht vertretbar

Die massive Verschwendung von Lebensmitteln sorgt laut den Vereinten Nationen nicht nur für enorme Wirtschaftseinbußen, sondern richtet auch hohe Umweltschäden an. Es kann nicht angehen, dass die Reichen dieser Welt riesige Mengen an Lebensmittel, die erzeugt werden, in die Mülltonnen, auf die Müllhalden, in die Abflüsse und in die Ozeane werfen, derweil fast eine Milliarde Menschen Hunger leidet – vor allem die Kinder.

Lassen die Bilder von Millionen Menschen, die täglich in den Müllbergen der Großstädte wühlen, um etwas Essbares zu ergattern, uns denn unberührt? Es ist mir wohl bewusst, dass keiner von diesen armen Menschen unmittelbar satt wird, wenn wir dem Umgang mit Lebensmitteln eine höhere Bedeutung beimessen. Aber aus Respekt vor den Mitmenschen muss sorgsam mit den Lebensmitteln umgegangen werden, denn das nicht ethische Verhalten trägt zur Verknappung der Lebensmittel  bei und erhöht deren Preise.

Mittlerweile werden sich immer mehr Menschen bewusst, dass in jedem „weggeworfenen“ Lebensmittel eine Menge wertvoller Ressourcen: Wasser, Rohstoffe, Energie und Arbeitskraft verarbeitet wurden – Ressourcen, die mit jedem weggeworfenen Apfel oder Brot sinnlos verschwendet werden. Um einen kg Äpfel zu ernten, werden etwa 700 l Wasser benötigt – etwa 1.000 l Wasser bei der Produktion von einem kg Brot. Um ein kg Rindfleisch auf den Markt zu bringen, werden 15.000 l Wasser aufgewendet.

Eine Kette von Missständen

Den rezenten Berichten der Welternährungsorganisation entnimmt man, dass jährlich etwa 1.300 Millionen Tonnen Lebensmittel „entsorgt“ werden. Diese verwerfliche Aktion bedeutet das Vernichten von 750 Milliarden $, das 6fache der weltweiten Entwicklungshilfe. Mit dieser Menge Lebensmittel könnten die Hungernden dieser Welt drei Mal versorgt werden.

Über 54 Prozent der Nahrungsmittelverschwendung fallen bereits während der Produktion, der Nachernte und der Lagerung an. Die Verschwendung beginnt bereits bei der Nutzung des Ackerlandes. Es kann nicht angehen, dass die Nahrungsmittel, die auf 28 Prozent der weltweiten Anbauflächen erzeugt werden, später auf dem Müll landen. Dadurch entstehen jährlich finanzielle Einbußen von über 800 Milliarden Euro. Die Agrarflächen  werden umsonst jährlich mit Millionen l Wasser bewässert (man spricht von 250 km3 Wasser) sowie mit Pestiziden und Düngern belastet. Riesige Landstriche werden verwüstet und Wälder umsonst gerodet. Die restlichen 46 Prozent fallen bei der Weiterverarbeitung, der Auslieferung und dem Verbrauch an.

Die Umweltkosten und die sozialen Kosten rufen, laut den Schätzungen der Vereinten Nationen, einen Gesamtschaden an der Gesellschaft in Höhe von 2.600 Milliarden $ hervor. Ein gigantischer Betrag, welcher sicherlich, wenn sinnvoll eingesetzt, zu mehr Gerechtigkeit führen würde.

Die Geschichte der Lebensmittelverschwendung ist eng mit der Globalisierung verknüpft. In einer vernetzten Welt werden die Wertschöpfungsketten immer länger. Das bedeutet, dass zwischen Produzenten und Verbrauchern immer mehr Zwischenhändler, Logistiker, Verpackungs- und Lagerungsspezialisten liegen. Es muss demzufolge zu einer verbesserten Abstimmung zwischen dem Angebot und der  Nachfrage kommen.

Sollte trotzdem ein Nahrungsüberschuss  eintreten, dann muss darauf geachtet werden, dass dieser der Wiederverwertung oder dem Recyclingprozess zugeführt wird. Außerdem werden für den Abtransport der riesigen Berge an verschwendeten Lebensmitteln teure Energien benötigt und unnötige Treibhausgasemissionen hervorgerufen. Wenn jedoch Lebensmittelabfälle anfallen und die sich nicht vermeiden lassen, dann sollten sie möglichst sinnvoll weiterverwertet werden u.a. in den Biogasanlagen und im Komposthaufen.

Fakten zum Nachdenken

Laut der FAO-Studie „Global food and food waste“ liegt die jährliche pro Kopf  Verschwendung an Lebensmittel in der Europäischen Union, über die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet, zwischen 280 bis 300 kg. Des Weiteren wird geschätzt, dass jeder einzelne EU-Bürger jährlich zwischen 95 bis 115 kg Essen in die Mülltonne wirft. In Luxemburg schätzt man die weggeworfene Menge Lebensmittel auf jährlich 123 kg pro Bürger.

Gemäß einer von der EU finanzierten Untersuchung  gehen 42 Prozent aller weggeworfenen Lebensmittel auf das Konto der privaten Haushalte. 39 Prozent landen bei den Herstellern im Müll, 14 Prozent in der Gastronomie und fünf Prozent bei den Einzelhändlern.

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Jogurts nur einen Tag überschritten, wandert es bei den meisten Menschen ohne weitere Gedanken in den Mülleimer. In den Abfallcontainern der Konsumtempel stapeln sich Tonnen von Lebensmitteln, die eigentlich noch völlig in Ordnung sind. Neben dem überschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatum sind auch eine beschädigte Verpackung oder gar ein leicht lädiertes Äußeres schon Grund genug für die frühzeitige Entsorgung. Es wird den Menschen verstärkt bewusst, dass die Fleischproduktion, die aus industrieller Massentierhaltung resultiert, unmittelbar zur Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit führt.

Zu dieser riesigen Menge an „entsorgten“ Nahrungsmitteln aus der Land- und Obstwirtschaft fallen auch noch 38 Millionen Tonnen an Fischen und Meerestieren (38 Prozent der weltweiten Fangmenge) an, die als Rückwurf vernichtet werden. Dies zerstört auf lange Sicht den Lebensraum Ozean und es ist ethisch nicht vertretbar, diese Lebewesen wie Müll zu behandeln.

Wohl werfen die Menschen in Afrika und im südöstlichen Asien kaum Lebensmittel weg. Trotzdem gibt es auch dort große Lebensmittelverluste von über 40 Prozent, insbesondere durch die schlechte und unzureichende Lagerung, die Verpackung, die Kühlung und den desolaten Transport. Die klimatischen Bedingungen in den Entwicklungsländern fördern die Verderblichkeit. Nehmen die Zwischenhändler den Kleinbauern die produzierten Nahrungsmittel nicht ab, weil diese den Erwartungen der Konsumenten „nicht entsprechen“, dann bedeutet dies oft die existenzielle Not und nicht selten Hunger für die kleinbäuerlichen Familien.

Fazit

Es erfreut, dass mittlerweile eine Diskussion hinsichtlich der Verschwendung der Lebensmittel angefacht wurde und dieses Thema die Regierung und das Parlament auf den Plan gerufen hat.

Im September 2015 wurden die 17 neuen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen verabschiedet. Das Ziel ist eindeutig: „Wir müssen den Hunger bis zum Jahr 2030 beenden, die Ernährungssicherheit garantieren und die bessere und gerechte Ernährung für alle Menschen erreichen.“ Die nachhaltige Landwirtschaft stellt einer der wichtigsten Eckpfeiler dar.

Die Aussage der Umweltkonferenz von Rio im Jahr 1992: „Global denken und lokal handeln.“ muss heute mehr denn je die Mantra für unseren gerechten Umgang mit Lebensmitteln werden – denn jedem der 7,4 Milliarden Menschen stehen die gleichen Rechte zu.

Prof. Dr.- Ing. Marcel Oberweis

2015 – das wärmste Jahr seit Beginn der meteorlogischen Aufzeichnungen

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (um die Mitte des 19. Jahrhunderts) wurden die bisherigen Temperaturrekorde im Jahr 2015 übertroffen. Waren die ersten 10 Monate des Jahres bereits sehr warm, so brachten weder November noch Dezember die erwünschte Abkühlung. Die Durchschnittstemperatur lag nach Angaben der US-Klimabehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) um fast 1 Grad C über dem Durchschnittswert seit Beginn des vorindustriellen Zeitalters im Jahr 1850. Gemäß der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf sind die zehn wärmsten Jahre alle seit dem Jahr 1998 aufgetreten.

Sie wies ebenfalls darauf hin, dass das Jahr 2016 diesen Rekord noch „toppen“ könnte. “Das sind schlechte Neuigkeiten für den Planeten”, sagte WMO-Generaldirektor Michel Jarraud, muss man doch nicht bedenken, dass die aktuelle Erwärmung voraussichtlich um 4 Grad C bis zum Jahr 2100 ansteigt, dies würde dem Temperaturunterschied von der letzten Eiszeit zu uns heute entsprechen.

Die Klimatologie lehrt uns des Weiteren, dass das Klima ein komplexes und ein sensibles System darstellt, da es vor allem auf kleinste Veränderungen reagiert. Die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur bedeutet daher nicht nur, dass es auf dem Planeten wärmer wird, vielmehr werden alle Ökosysteme: die Ozeane, die Eismassen, die Atmosphäre, die Böden, das Wetter und der Wasserhaushalt von dieser Erhöhung durch den Klimawandel betroffen. Die Gründe sind die schleichenden Klimaveränderungen, verursacht durch die sich stets erhöhenden Treibhausgasemissionen durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern.

Eine weitere Unbekannte stellt der Auftauprozess des Permafrostes dar, gigantische Mengen des Treibhausgases Methan werden freigesetzt, ein Gas, welches 28mal verheerender als CO2 ist.

Auch wenn die Europäische Union nur noch mit weniger als 10 Prozent an den weltweiten Treibhausgasemissionen beteiligt ist, so bringen die aufstrebenden Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Indonesien, Südafrika und Mexiko mit ihrem ungebremsten Energiehunger den Planeten ins Schwitzen. Die verheerenden Brände in den uralten Torfmoorwäldern Indonesiens emittieren zusätzlich weitere hohe CO2-emissionen (etwa 1,2 Milliarden im Jahr 2015).

Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen COP21 in Paris hat wohl ein bindendes Abkommen zur Verringerung der Auswirkungen des Klimawandels verabschiedet, aber es wird noch Jahre dauern, bis sich die Wirkungen in der Atmosphäre bemerkbar machen. Zusätzlich soll vermerkt werden, dass der Klimawandel umso heftiger reagiert, desto stärker die physikalischen und chemischen Vorgänge in der Atmosphäre und in den Ozeanen verändert werden.

Im Übrigen wird der von den Menschen verursachte Klimawandel derzeit noch durch das gefährliche Klimaphänomen „El Niño“ verstärkt. Dieses stellt eine Klimaanomalie der jüngeren Erdgeschichte dar, welches gewaltige Warmwassermassen aus dem West- in den Ostpazifik vor die Küste von Südamerika verlagert. Hier herrscht normalerweise der Humboldtstrom, welcher die Wassermassen vom Ost- in den Westpazifik befördert. Das Klimaphänomen „El Niño“ tritt alle paar Jahre auf und je ausgeprägter die durch ihn hervorgerufene Erwärmung des östlichen Pazifiks ist, desto gravierender sind die Auswirkungen. Der aktuelle „El Niño“ wird in die Geschichte der Klimakunde eingehen, werden doch aus allen Weltregionen u.a. den Vereinigten Staaten von Amerika, einigen Ländern in Lateinamerika, Äthiopien und Kenia sowie Sudan in Afrika, in Großbritannien und in der Arktis hohe Schäden gemeldet. Den Klimawissenschaftlern zufolge werden weitere gigantische Wärmemengen aus dem Pazifik in die Atmosphäre im Jahr 2016 aufsteigen, Wärme die sich in den vergangenen Jahren im tiefen Ozean akkumuliert hatte, sodass man abwarten muss, ob das Jahr 2015 das wärmste Jahr bleibt.

Der Klimawandel macht sich überall bemerkbar

Bedingt durch den Klimawandel werden sich Vegetationszonen schätzungsweise über mehrere 100 km polwärts verschieben. Die Fauna und die Flora aller Kontinente werden sich diesem Wanderungsprozess anschließen, viele Arten werden sich in den dicht bevölkerten und bebauten Regionen akklimatisieren müssen, viele werden diesem Stress jedoch nicht gewachsen sein. Eine aufwändige Studie der Universität Leeds hatte bereits im Jahre 2005 ergeben, dass über eine Million Tier- und Pflanzenarten bis zum Jahr 2050 aussterben werden, falls die Treibhausgasemissionen und die weltweite Erwärmung nicht deutlich gebremst würden.

Im Bergland werden wir eine Verschiebung der Vegetation um mehrere 100 m in die höheren Berglagen feststellen. Viel augenscheinlicher wird die Erhöhung der Schneefallgrenze werden, viele Skiorte in den unteren Berghängen der Alpen werden ihre Skiaktivitäten überdenken müssen.

Weitaus schlimmer werden sich die Veränderungen auf dem Nordpol und der Antarktis abspielen. Die rezent vorgelegte Studie des Internationalen Forscherverbandes von Arktis- und Antarktisforschern legt alarmierende Fakten bezüglich der Risiken durch die möglicherweise unbeherrschbare Folgen der Klimaerwärmung für die Nord- und die Südpolgebiete sowie die Gletscher auf dem Festland vor. Dem Bericht entnimmt man, dass das Eisschmelzen mit einer unnatürlichen Geschwindigkeit abläuft und der Klimawandel als die treibende Kraft wirkt. Tritt keine Umkehr ein, dann werden die Gletscher und die Eiskappen bereits in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts unwiederbringlich geschmolzen sein und der Meeresspiegel wird sich um etwa vier bis 10 m erhöhen. Vor allem die Menschen, die von dem stets eintretenden Schmelzvorgang auf dem Festland leben, werden vor gewaltige Herausforderungen hinsichtlich der Trinkwasserversorgung gestellt werden.

Ebenfalls werden die Korallenriffe durch die warmen Wassertemperaturen und die steigende Versauerung stark geschädigt. Die jetzt festgestellte Erhöhung von 1 Grad C hat zur Folge, dass 80 Prozent der Korallenriffe im südlichen indischen Ozean und der Karibik ausgebleicht sind, wodurch die umgebende maritime Nahrungskette gefährdet wird.

Die Mangrovenwälder an den tropischen Küsten verkraften ebenfalls nur einen moderaten Anstieg des Meeresspiegels. Erhöht sich dieser um möglicherweise um 85 cm bis zum Jahr 2100, dann sind diese Schutzwälder dem Tod geweiht. Der Küstenschutz geht verloren und die Lebensräume der Inselvölker (Kiribati, Marshallinseln, Tuvalu und Seychellen) werden unter den Fluten der Ozeane verschwinden. Den dort lebenden Menschen wird man den Status der Klimaflüchtlinge verordnen d.h. sie haben das Recht den Weg zu den reichen Industrieländern anzutreten.

Der erwartete Anstieg des Meeresspiegels führt außerdem zur Überflutung und Versalzung von vielen fruchtbaren Ländereien entlang der Küsten d.h. die Agrarflächen verringern sich zusehends. Man möge bedenken, dass 30 der größten Städte an den Küsten liegen und dass knapp zwei Drittel der Menschheit in einem Küstenstreifen von 100 km leben, sodass Millionen Menschen aufstehen und ins Landesinnere flüchten.

Eine Greenpeace-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass heute bereits 20 Millionen Menschen auf der Flucht sind, weil ihre Heimat ihnen durch den Klimawandel keine ausreichenden Lebensbedingungen mehr bietet. Die Vereinten Nationen rechnen sogar mit etwa 200 Millionen Klimaflüchtlingen in den kommenden 30 Jahren.

Es steht ohne Zweifel fest, die schleichenden Folgen des Klimawandels stellen die Existenz der Menschheit und ihre Gesundheit, die Trinkwasserversorgung sowie die Ernährung vor riesige Probleme. Es sind vor allem die Menschen in den ärmsten Entwicklungsländern, deren Lebensbedingungen sich dramatisch verschlechtern. Sie sind besonders hart getroffen, obwohl sie am wenigsten zur globalen Erwärmung beigetragen haben.

Es ist eine Schande, dass die Industrieländer und mittlerweile auch einzelne Schwellenländer, mit etwa 80 Prozent an den Treibhausgasemissionen beteiligt, diesen Opfern des Klimawandels kaum oder nur unzureichende humanitäre Hilfe zukommen lassen und sich darüber hinaus auch gegen die Klimaflüchtlinge abschotten. Die Hauptverursacher haben wohl die finanziellen  Mittel, sich weitgehend vor den Folgen der Krise zu schützen, die Menschen in den Entwicklungsländern verfügen jedoch nicht über die finanziellen Mittel zur Behebung des Elends. Ihre Armut verhindert die nötigen Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel und das Elend wächst weiter. Der Wassermangel und der stets vorhandene Hunger führen zu einer weiteren Destabilisierung und rufen gewalttätige Konflikte hervor.

Vor allem muss sich die Landwirtschaft in allen Erdteilen auf die negativen Folgen des Klimawandels einstellen, werden doch die feuchten Landschaften noch feuchter und die trockenen noch trockener. Der wachsenden Menschheit werden immer weniger landwirtschaftliche Anbauflächen zur Verfügung stehen und der Kampf um die verfügbaren letzten Wasserreserven wird dieses Dilemma noch verschärfen.

 Schlussgedanken

Noch sind wir weit davon entfernt den historisch warmen Dezember 2015 als apokalyptisch zu empfinden, auch wenn die Konsequenzen sichtbar sind. Wie viele negative Indizien müssen noch eintreten, bevor die Menschheit erkennt, dass das bisherige Wirtschaftsmodell ein Auslaufmodell ist. Das aktuelle System voller Instabilitäten wird neue Krisen heraufbeschwören und denen werden wir keine Hürde mehr entgegenstellen können. Die nun gemessene 1 Grad C Erhöhung muss eine Warnung sein und zur Umkehr aufrufen, andernfalls werden die nachkommenden Generationen ein Klima vorfinden, welches ihnen keine Perspektiven mehr bieten wird.

Der ehemalige Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP, Klaus Töpfer meinte wohl zu Recht: „Umweltpolitik ist die Friedenspolitik der Zukunft.“ Es ist deshalb zwingend notwendig, die Armutsbekämpfung und den Klimawandel als eine vernetzte Struktur anzusehen, dies mit Blick auf die weltweite Friedenssicherung.

In diesem Zusammenhang werde ich nicht müde darauf hinzuweisen, dass sich die Europäische Union verstärkt dem afrikanischen Kontinent zuwenden soll. Auf einer vertrauensvollen Grundlage sollen die Projekte gemeinsam erarbeitet und mit den Menschen vor Ort verwirklicht werden, umso ihre Zukunft zu gestalten.

Literaturhinweise:

http://www.klimaretter.info/forschung/nachricht/20345-noaa-2015-wird-waermstes-jahr

http://www.focus.de/panorama/wetter-aktuell/wetter-aktuell-klimaforscher-2015-das-waermste-jahr.html

Der Winter liegt noch nicht im Sterben. Joachim Müller-Jung (FAZ 31. Dezember 2015)

Die COP21 einigte sich auf ein neues ambitiöses Klimaabkommen

Prof. Dr. – Ing. Marcel Oberweis

Die 21. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP21) in Paris endete am 12. Dezember 2015 mit einem weitreichenden Klimaabkommen, zu welchem sich 195 Staaten bekannten. Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen beschäftigte sich mit dem ökologischen Zustand des Planeten, bedingt durch die schleichenden Folgen des Klimawandels.

Im Mittelpunkt aller Diskussionen der von annähernd 40.000 Menschen besuchten Klimakonferenz standen einerseits die Verringerung der schädlichen Treibhausgasemissionen und andererseits die Begrenzung des Temperaturanstiegs der Erdatmosphäre auf weniger als 2 Grad C, und wenn möglich auf unter 1,5 Grad C, gegenüber dem vorindustriellen Niveau mit Datum 1850.

Angesichts der steigenden Weltbevölkerung und dem ungebremsten Energiehunger, gestillt vor allem durch die fossilen Energieträger, müssen umgehend die nötigen Schritte zur Anpassung an die Klimaveränderungen eingeleitet werden. Diese verursachen seit der Jahrtausendwende 2000 zusehends höhere Schäden. Laut den Schätzungen des Weltklimarates betragen die weltweiten Schäden durch die extremen Wetterereignisse u.a. Wirbelstürme, Erosion, Erdrutsche und Überschwemmungen etwa 200 Milliarden $ jährlich, dies seit dem Jahr 1980.

Noch gravierender und kaum abschätzbar sind die langfristigen Folgen des Klimawandels u.a. der Verlust der Biodiversität, die Meeresspiegelerhöhung und die Versauerung der Ozeane. Insbesondere der Anstieg des Meeresspiegels wird viele Weltregionen unbewohnbar machen und die dort lebende Bevölkerung zur Wanderung zwingen.

Die klimabedingten Katastrophen zwischen 2008 und 2013 haben etwa 140 Millionen Menschen gezwungen, ihr Zuhause zumindest zeitweise zu verlassen. Zusätzlich wirkt sich der Verlust an wertvollen landwirtschaftlichen Flächen aus, die dringend für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung benötigt werden.

Es ist wichtig anzuerkennen, dass sich die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf 405 ppm erhöht hat, dies gegenüber 270 ppm im Jahr 1950, und die Klimawissenschaftler weisen verstärkt darauf hin, dass ab der Konzentration von 450 ppm mögliche Kipppunkte eintreten, die ihrerseits irreversible Schäden an der Biosphäre hervorrufen.

Es besteht insofern auch kein wissenschaftlicher Zweifel mehr, dass die Treibhausgasemissionen, die Verschwendung von Energieträgern, die Verschmutzung der Ozeane und der Landflächen, die Austrocknung von gewaltigen Agrarflächen sowie das Fehlen einer effizienten Kreislaufwirtschaft die Lebensräume von Mensch, Flora und Fauna zerstören.

Vor allem werden die lebenswichtigen Naturressourcen Wasser, Boden und Luft auf eine nicht nachhaltige Weise geschädigt. Die Gefahren der weiteren Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane hängen somit wie ein Damoklesschwert über Hunderten von Millionen Menschen, deren Lebenschancen sich zusehends verschlechtern.

Das Pariser Klimaabkommen und die gemeinsame Verantwortung

In Klimaabkommen wurde erkannt, dass sich die Weltgemeinschaft für eine gerechte und nachhaltige Entwicklung einsetzen muss. Da die Auswirkungen des Klimawandels zusehends den Menschen bewusst werden, müssen umgehend weltweiteiche Bemühungen mit Blick auf die nachhaltige Entwicklung in die Wege geleitet werden.

Die Verringerung der Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern sowie die verstärkte Nutzung der erneuerbaren Energien führen zur totalen Dekarbonisierung (der weltweite Ausstieg aus Kohle, Erdöl und Erdgas) bis zum Jahr 2100.

Im Vorfeld der Pariser Konferenz hatten die einzelnen Länder ihre Ziele zur Verringerung der Emissionen „Intended Nationally Determined Contributions INDCs“ eingebracht. Diese INDCs bieten ein konkretes Instrument der Kontrolle und deshalb sollen die nationalen Klimaschutzpläne ab dem 2023 alle fünf Jahre überarbeitet werden.

Es wurde ebenfalls beschlossen, einen mit jährlich 100 Milliarden $ gespeisten Fonds ab dem Jahr 2020 aufzulegen. Mit diesem Fonds sollen die Aufforstung der tropischen Regenwälder, der verbesserte Küstenschutz, die Eindämmung des Biodiversitätsverlustes, die Erhöhung der Ernährungssicherheit sowie die Trinkwasserversorgung, die Erosion sowie die großflächige Nutzung der erneuerbaren Energien in den Entwicklungsländern unterstützt werden.

Reichen die Maßnahmen des Abkommens?

Das Abkommen verbindet konkrete Aktionen der Solidarität und der Transparenz. Es stellt den Anfang eines langwierigen Prozesses dar und beruht auf dem Paradigmenwechsel hin zur Klimastabilisierung Es fördert die bessere Lebensqualität aller Menschen, dies durch eine Verringerung der Luftverschmutzung bedingt durch weniger Treibhausgasemissionen.

Die Nutzung von sauberen und weniger schädlichen Energieträgern im Rahmen einer sich aufbauenden intelligenten und nachhaltigen Energieversorgung für alle Menschen gilt als Mantra des Abkommens.

Es wird ein wichtiges Signal der Solidarität mit den Menschen in den Entwicklungsländern und den vom Untergang bedrohten Inselstaaten gesetzt.

Das Klimaabkommen von Paris muss demzufolge ein Hoffnungsstrahl für alle Menschen werden, insbesondere für die, welche bereits schwer unter den Folgen des Klimawandels leiden.

Das Flüchtlingsproblem stellt uns vor gewaltige Herausforderungen

Zu Beginn dieses Beitrages sei auf die Definition des Begriffs Asyl eingegangen, welches aus der griechischen Sprache stammt: σῦλος (sylosHeim oder Herkunft). Dies bedeutet das vorübergehende Gewähren von Schutz resp. die existenzielle Grundsicherung für die politisch Verfolgten aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder Zugehörigkeit zu einer politischen Gruppe. Die aktuellen Flüchtlingströme werden durch die dramatischen Entwicklungen u.a. Bürgerkriege, zerfallende Staatlichkeit, Terrorismus und Armut in den unterschiedlichen Weltregionen hervorgerufen. Die Kriegswirren in Afghanistan, in Libyen, in Syrien und am Horn in Ostafrika rufen die Flüchtlingströme hervor und fast 60 Millionen Menschen werden derzeit aus ihren angestammten Heimatregionen vertrieben.

Etwa 80 Prozent der Flüchtlinge lassen sich wohl in ihren Nachbarländern nieder in der Hoffnung, dass die Situation sich wieder beruhigen möge, sie erhöhen jedoch die bereits dort vorhandene prekäre Ernährungslage. Mittlerweile begeben sich vor allem junge Menschen, auf den beschwerlichen und oft gefahrvollen Weg über das Mittelmeer oder über die Balkanroute, um an die Pforten der Europäischen Union anzuklopfen. Flüchteten im Jahr 2014 fast 220.000 Menschen mit maroden Schiffen über das Mittelmeer, so sind es seit dem Frühjahr 2015 mehrere Hunderttausend Menschen, die sich an den europäischen Außengrenzen einfinden. Die Aufnahme und die Beherbergung sowie die Verpflegung bedingen einen titanischen Kraftakt aller Behörden. Die Europäische Union kann wohl nicht das gesamte Elend der Welt in Glück umwandeln, es soll aber mit Stolz auf die umfassende Hilfsbereitschaft vieler Menschen hingewiesen werden, die jeden Tag dieses Leid mit hohem Einsatz lindern. Ihnen gebühren unsere volle Anerkennung und unser Lob.

Angesichts des Massenansturms von Flüchtlingen sucht die Europäische Union nach Möglichkeiten, diese Migration zu stoppen, denn die Aufnahmekapazität von einigen Mitgliedsländern erreicht ihre Grenzen. Es kann keine Linderung geben, wenn nicht die Ursachen der Flüchtlingswellen ergründet und bekämpft werden. Nur wenn wir es gemeinsam erreichen, die Kriegsherde in Afghanistan und im Nahen Osten zu er Zukunft und eine umfassende politische Stabilität sichern, werden die Millionen Menschen in ihre Heimatländer zurückkehren.

kinder-rwanda-afrika-reisen-cb714afb-b0fb-48a6-9753-d4f831b84df3Mit umfangreichen langfristigen Hilfsprogrammen zum Aufbau von demokratischen Strukturen werden den Menschen der ersehnte Frieden in den Krisenregionen und die Perspektiven auf ein besseres Leben garantiert. Zusätzlich müssen die reichen Industrie- und die Schwellenländer ihre Außenpolitik, ihre Handelspolitik, ihre nicht nachhaltige Energieversorgung und ihre Entwicklungszusammenarbeit kohärent abstimmen. Gelingt dies nicht, dann dürften noch mehr Menschen aus dem armen Süden in den reichen Norden wandern, um sich dort „mit an den Tisch zu setzen“. Ein weiteres negatives Phänomen stellt die illegale Kapitalflucht dar. Auf 50 Milliarden US$ bezifferte jüngst der ehemalige Präsident Südafrikas, Thabo Mbeki, den jährlichen Kapitalexport aus Afrika. Diese Finanzmittel fehlen angesichts der Massenarmut, der miserablen Infrastrukturen, der schlechten Schulen und der maroden Krankenhäusern.

Anlässlich des UN-Sondergipfels in New York im vergangenen September wurden die neuen 17 nachhaltigen Entwicklungsziele für die kommenden 15 Jahre verabschiedet, sie gelten im Übrigen für alle Länder der Welt. Mit diesen Entwicklungszielen soll der Hunger in der Welt „ausradiert“ werden, wohlwissend, dass noch fast eine Milliarde der 7,4 Milliarden Menschen an Hunger und Unterernährung leiden. Da gewusst ist, dass die Bildung für alle Erdenbürger ein elementares Recht darstellt, soll erreicht werden, dass sie sowohl den Zugang zur Primärschule und Sekundärschule erhalten. Die Bildung und Ausbildung erlaubt es vor allem den Entwicklungsländern die Jugend zu bilden, die sie braucht, um das Land „aufzubauen“.

Weitere Beweggründe, welche die Menschen zwingen, ihre Heimat zu verlassen

Es kann doch niemand ernsthaft glauben, dass Menschen ihre Heimat freiwillig verlassen, wenn dort Frieden und Wohlstand herrschen. Niemand wir freiwillig seine Freunde, seine Familie und die gewohnte Umgebung verlassen, wenn er dort die Dinge vorfindet, die man zum Überleben braucht. Leider veranlasst die aktuelle Lage in vielen Weltregionen den Menschen, getrieben von Not und Verzweiflung, den Weg nach einem besseren Leben anzutreten.

Es ist deshalb falsch, die Ursachen der Flüchtlingsströme nur in den kriegerischen Auseinandersetzungen zu suchen. Neben diesen gelten der Klimawandel, die prekäre Wasserversorgung & Ernährungslage, die Verringerung der landwirtschaftlichen Flächen, die fehlenden Infrastrukturen und die Energieversorgung als Ursachen. Die Naturkatastrophen u.a. die Überschwemmungen, das Abschmelzen der Gletscher, die erhöhten Monsunregen, das Anwachsen der Wüstengebiete, die Erdrutsche, die Änderungen im Regionalklima, die Verschiebungen der Vegetationszonen sowie die Meeresspiegelerhöhung sind von eminent wichtiger Bedeutung.

Bedingt durch die Tatsache, dass Schrift:

etwa zwei Drittel der Menschheit in einem 100 km breiten Küstenstreifen leben, wird der Migrationsdruck sich erhöhen. Wenn diese „Gefahr“ besteht, warum wird denn so wenig getan, das Elend der Menschen in den Entwicklungsländern zu verringern?

Es leuchtet zwingend ein, dass das Problem von Flucht und Wanderung an der Wurzel zu packen ist, sowohl in den Ländern des Nordens als auch des Südens und zwar gemäß den drei Pfeilern der nachhaltigen Entwicklung des Planeten: politisch, ökonomisch und sozial.

1°         Hinsichtlich der Ernährungslage

Die Ursache für Armut und Umweltzerstörung ist die weit verbreitete nicht demokratische Regierungsführung, unterstützt durch die finanziellen Zuwendungen seitens der reichen Länder an die Eliten der Entwicklungsländer, welche ihrerseits kaum Interesse an der Hebung der Lebensumstände ihrer Mitbürger zeigen. Laut den Angaben der Vereinten Nationen sieht die Lage südlich der Sahara nicht erfolgversprechend aus, denn dort sank der Anteil der Allerärmsten von etwa 57 Prozent im Jahr 1990 auf etwa 41 Prozent im Jahr 2015. Der Verarmungsprozess breiter Menschenmassen in den ländlichen Regionen und den Slums erhöht sich noch durch die hohe Geburtenrate.

Ist diese Tatsache bereits bedauernswert, so kann jedoch nicht mehr weiter hingenommen werden, dass die Weltbank und der Internationale Währungsfonds durch ihre aufgezwungenen strukturellen Anpassungsprogramme während den vergangenen Jahrzehnten die Armut eher erhöhen als lindern. Weitaus schlimmer wirkt die Tatsache, dass eventuelle Gewinne von den internationalen Konzernen abgeschöpft werden, anstatt in den Ländern zu verbleiben. Viele bisher mit großen Mühen durchgeführte Aktivitäten werden durch dieses negative Wirken zunichte gemacht.

Wenn Erfolg ausgewiesen werden sollen, dann nur durch die tatkräftige Unterstützung der Familienbetriebe und der kleinbäuerlichen Betriebe. Ihnen muss die Chance eingeräumt werden, Dienstleistungen und Produkte für den lokalen und regionalen Markt anzubieten. Mit Hilfe der Mikrofinanz sind bereits bemerkenswerte Resultate erzielt worden. Es widerspricht jeder Ehrlichkeit, wenn die reichen Länder durch den massiven Export ihrer Produkte in die Entwicklungsländer, bedingt durch höchst unfaire Zolltarife, die einheimischen Preise unterbieten.

So nimmt z.B. seit einigen Jahren der Export von Geflügelteilen aus der Europäischen Union nach Westafrika in einem erschreckenden Maß zu. Weil die europäischen Konsumenten nur „bestimmte“ Teile u.a. Hähnchenbrust, bevorzugen, werden die restlichen Teile nach Afrika „entsorgt“ und diese verwerflichen Aktionen werden auch noch EU-Subventionen unterstützt. Es leuchtet ein, dass durch dieses Gehabe die einheimischen Geflügelmärkte fast vollständig zerstört wurden. Die dort lebenden Kleinbauern müssen ihre Produkte teurer verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren – sie können mit den niedrigen Weltmarktpreisen nicht mithalten – der Verarmungsprozess erhöht sich.

Gerechtigkeit 1.jpgDiese fehlgeleitete Handelspolitik ruiniert das Leben auch der Jugendlichen, sodass ihnen keine andere Alternative als die Landflucht angeboten wird und letztendlich der lange Marsch zu uns als einzige Aussicht auf ein besseres Leben verbleibt. Und was vielfach verschwiegen wird, das importierte tiefgefrorene Fleisch wirkt durch die fehlende Kühlkette in vielen afrikanischen Ländern sogar noch gesundheitsgefährdend.

Man muss jedoch erwähnen, dass der Fair Trade Handel dazu dient, die Waren aus den südlich gelegenen Ländern in den Norden zu exportieren und die Kleinbauern den fairen Lohn für ihre Produkte erhalten.

2°         Hinsichtlich des Klimawandels

Der Klimawandel beeinträchtigt in einem steigenden Maß das Leben der Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern, die zwei Drittel der Gesamtbevölkerung der Erde ausmachen. Die derzeitige Diskussion befasst sich nicht nur mit den Folgen dieses Klimawandels, sondern vor allem, welche Maßnahmen in Richtung Anpassungsfähigkeit der Länder ergriffen werden müssen.

In vielen Entwicklungsländern liegt der Anteil der landwirtschaftlichen Produktion bei 50 Prozent des Bruttoinlandproduktes, sodass die Klimaproblematik eine äußerst wichtige Bedeutung erhält. Vor allem sind die Hunderte Millionen Kleinbauern in den ländlichen Regionen von diesen Wetterextremen und den Änderungen der klimatischen Bedingungen betroffen. Wie sollen die Menschen, welche an den Küsten leben mit ihren nicht vorhandenen finanziellen Mitteln auf diese Anpassung eistellen, vor allem gegenüber dem steigenden Meeresspiegel? Dem kürzlich erschienen Dokument „Down the Earth – der Boden von dem wir leben“ kann man entnehmen, dass den Menschen vor 50 Jahren rechnerisch etwa 50 ar Anbaufläche zur Verfügung standen, um seine Ernährung zu sichern. Heute stehen den Menschen nur noch etwa 25 ar und bis Jahr 2050 noch 10 ar zur Verfügung.

Bedingt durch den Umstand, dass mehr als 70 Prozent der in Afrika landwirtschaftlich genutzten Fläche stark degradiert sind und 66 Prozent des Kontinentes als Ödland und Wüsten eingestuft sind, wird der Klimawandel die Ernährungslage und die Wasserversorgung noch prekärer gestalten.1) Die wachsende Bevölkerung von derzeit 1,1 Milliarden Menschen auf möglicherweise 4,4 Milliarden (Horizont 2100) verschärft diese Situation zusätzlich und erhöht den Druck auf die Naturressourcen.

Die negativen Auswirkungen des Klimawandels, gekoppelt mit einer zunehmenden Verschlechterung der Umweltbedingungen infolge der Klimaschwankungen und der nicht umweltverträglichen Flächennutzung führen zu einer Verschlimmerung der sozioökonomischen und gesundheitlichen Probleme. Als Folge werden die Menschen aus den ländlichen Gebieten aufbrechen und die Probleme bei ihren Nachbarn erhöhen, dies wird sicherlich den Kampf um Wasser und ertragreichen Boden erhöhen.

Es möge in Erinnerung gerufen werden, dass jährlich 0,3 bis 0,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen verloren gehen. Die Verlustrate übersteigt die Reproduktionsrate um das 30 bis 40fache. Man schätzt dass jährlich landwirtschaftliche Flächen und Wälder in der Größenordnung von Berlin (fast 900 km2) in der Europäischen Union „verschwinden“. Wie bereits oben angeführt, verringert sich die den Menschen weltweit zur Ernährung zur Verfügung stehende Agrarfläche ständig.

Weitaus schlimmer wirkt sich die prekäre Lage im Bereich der Trinkwasserversorgung aus. Mit den aufkommenden Dürreperioden wird das Trinkwasser zu einer äußerst gefragten Naturressource und es werden regionale Streitigkeiten um das seltene Gut aufflammen. Es wird vor allem Afrika unter diesen Missständen leiden, die Dürreperioden und die Wüsten werden beständig das fruchtbare Land verschlingen. Da sich die Nahrungsmittelproduktion verringert, werden immer mehr Menschen von Hilfslieferungen anhängig.

Die Menschen in den am wenigsten entwickelten Ländern wird es schwerfallen, sich an die Veränderungen anzupassen und die aufkommenden Schäden zu verringern u.a. durch effizientere Bewässerungssysteme und Regenwasserspeicher. Sie sind den drohenden Unwetterkatastrophen oft völlig schutzlos ausgeliefert. Ihre Lebensgrundlagen werden durch die Veränderungen zunehmend bedroht, vor allem durch den steigenden Meeresspiegel. Durch die beständige Überflutung mit Meerwasser werden die Agrarflächen unbrauchbar und die Grundwasserspeicher versalzen. Die Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen werden ohne ihr Verschulden zunichte gemacht, die sich anschließenden Wanderungen werden wenig friedvoll ablaufen und die Reichen im „Weltdorf“ werden dies ebenfalls schmerzlich verspüren.

3°         Hinsichtlich des Landgrabbing

Bedingt durch die wachsende Weltbevölkerung schaffen viele Länder es nicht mehr, genügend Nahrungsmittel im eigenen Land herzustellen, sie sind auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Ein Ausweg für die reichen Länder besteht nunmehr seit einigen Jahren im Ankauf oder der langfristigen Pacht riesiger ertragreicher Agrarflächen. Auf diesem Weg sichern sie die Ernährung der eigenen Bevölkerung auf Kosten der Ärmsten der Welt. Vor allem die aufstrebenden Schwellenländer u.a. China, Indien und Südkorea sowie die reichen Erdölförderstaaten beanspruchen diese Landflächen.

Andere Länder pachten diese Landflächen zum Anbau von Agrotreibstoffen, da sie von den fossilen Energieträgern abrücken möchten. Dies erhöht den Wert dieser Flächen und lockt die Spekulanten zur Investitionen in ertragreiche Ackerflächen, wohlwissen, dass sie die Biodiversität in den Entwicklungsländern schädigen und denn dort lebenden Menschen zusätzlich das Wasser „klauen“.

Insbesondere in den Ländern, in welchen weder das Parlament noch die Zivilgesellschaft eine Kontrollfunktion ausüben, bereichern sich die herrschenden Eliten durch die willkürliche Vergabe von Landkonzessionen. Sie unterstützen das Landgrabbing, wohlwissend, dass die Ernährungssicherheit der eigenen Bevölkerung aufs Spiel setzen. Die weltweit wirkenden Hilfsorganisationen sind dann oft diejenigen, die sich dem wachsenden Leid der Landbevölkerung annehmen.

Laut den Unterlagen 2) wurden etwa 60 Millionen ha Agrarflächen in den Entwicklungsländern zur landwirtschaftlichen Nutzung an ausländische Investoren verkauft oder verpachtet. Allein in Afrika wurden 70 Prozent der Landflächen durch das „Landgrabbing belegt“. Man muss sich vorstellen, dass die 60 Millionen ha Fläche rund einem Drittel der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche der Europäischen Union entspricht.

Sind die Folgen für die Kleinbauern katastrophal, so müssen sie ohnmächtig zusehen, dass ihre überlieferte Sozialstruktur zerstört und das bereits schwache ökologische Gleichgewicht schwer beschädigt werden. Die ersten Probleme um ertragreiches Weideland und die wenigen verbliebenen Agrarflächen sind bereits zwischen den Wanderhirten und den Kleinbauern entbrannt.

Das Landgrabbing trifft vor allem die Frauen, denn sie sorgen in den kleinbäuerlichen Familienbetrieb für die Selbstversorgung. Diese Betriebe besitzen fast nie das von ihnen bearbeitete Land, sie sind deshalb wirtschaftlich und rechtlich kaum abgesichert. Die Frauen stellen das Rückgrat der kleinbäuerlichen Familien dar, sie sind jedoch überdurchschnittlich oft unterernährt, sozial untergeordnet und die ersten, die die negativen Auswirkungen des „Landklau“ erleiden.

In diesem Zusammenhang kann man nicht umhin zu erwähnen, dass Landgrabbing das Menschenrecht auf die angemessene Ernährung schwer verletzt. Dieses Recht ist ein wichtiger Teil des geltenden Völkerrechts und im Artikel 11 des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte von 1966 verankert. Die nationalen Regierungen sind verpflichtet, das Menschenrecht auf Nahrung zu respektieren. Des Weiteren muss alles unternommen werden, dass die Bevölkerung sich durch die eigene Produktion und ohne fremde Hilfe angemessen zu ernähren. 3)

Friedensentwicklung ist ein wichtiger Schlüssel

Angesichts dieser brisanten Entwicklung mit Bezug auf die Flüchtlingsströme können nur eine allumfassende Diplomatie und eine systematische Unterstützung aller friedensbereiten Kräfte zur Konfliktbeilegung beitragen. Bedingt durch das stets steigende Ungleichgewicht zwischen den armen und den reichen Menschen im „Weltdorf“ muss dringend Sorge dafür getragen werden, die schlimmsten Konflikte einzudämmen. Dies kann geschehen, wenn die politisch Verantwortlichen sich davon leiten lassen, dass sie die Kohärenz von Wirtschafts-, Außenpolitik und Entwicklungspolitik anstreben, denn nur eine vernetzte Sicht erlaubt die erfolgreiche Bekämpfung der Fluchtursachen in Afrika und im Mittleren Osten.

In seinem Sachbuch “Mordshunger” weist Jean Feyder darauf hin, dass wir endlich die einheitliche und kohärente Politik gegenüber den Entwicklungsländern durchführen und aus der perversen Logik ausbrechen müssen, dass die Entwicklungszusammenarbeit letztendlich nur der Wirtschafts- und Handelspolitik der Reichen in die Hände spielt. Als Lichtblick darf in diesem Zusammenhang vermeldet werden, dass die reichen Industrieländer ab dem Jahr 2020 gewillt sind, jährlich 100 Milliarden Euro als Entwicklungshilfe den Entwicklungsländern zur Verfügung stellen. Man muss diesen Beitrag jedoch mit den jährlichen Militärausgaben in Höhe von 1.400 Milliarden Euro vergleichen.

Gerechtigkeit 2.jpgWenn die Menschheit sich anlässlich der Klimakonferenz COP21 in Paris im Dezember 2015 aufrafft und ein Nachfolgeprotokoll für das auslaufende Kyoto-Protokoll verabschiedet, dann dürften die für den Klimawandel gefürchteten schädlichen Treibhausgasemissionen im Laufe dem kommenden Jahrzehnte immer stärker verringert werden – die 2 Grad C Begrenzung könnte „geschafft“ werden.

Der Abschied vom Zeitalter der fossilen Brennstoffe und der damit einhergehenden Verringerung der schädlichen Treibhausgasemissionen sowie die Erhöhung der Energieeffizienz auf breiter Front sowie dem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien stellen gewaltige Herausforderungen an das „Weltdorf“. Vor allem die reichen Industrieländer stehen in der Verantwortung, sie die für den Klimawandel maßgeblich verantwortlich sind.

Der nunmehr begonnene Umbau der Energieversorgung ist technologisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll. Angesichts des Biodiversitätsverlustes und der Zerstörung der Lebensgrundlagen aller Menschen haben wir keine andere Alternative. Dieser Umbruch wird die Lebensqualität aller Menschen erheblich verbessern und die Tatsache, dass andere Menschen nunmehr auch etwas Lebensglück bekommen, sollte uns alle auf eine bessere Zukunft hoffen lassen.

Literaturhinweise:

Von den acht Millenniumsentwicklunsgszielen zu den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen

Anlässlich der von den Vereinten Nationen in New York vom 25. bis zum 27. September 2015 durchgeführte Konferenz wurde Bilanz über die acht Millenniumsentwicklunsgsziele (MDG) gezogen und die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) wurden verabschiedet. Bedingt durch die Tatsache, dass das 2015 das internationale Jahr für die Entwicklungszusammenarbeit ist, war es wichtig nunmehr die Agenda post-2015 2030, die „Agenda für nachhaltige Entwicklung“ auf den Weg zu bringen.

Zur Erinnerung sei vermerkt, dass die acht Millenniumsentwicklunsgsziele im Jahr 2000 von der internationalen Staatengemeinschaft ins Leben gerufen wurden, mit dem Ziel, die Bekämpfung von Armut und Hunger bis zum Jahr 2015 mit Erfolg durchzuführen. Des Weiteren wurde vereinbart, einen großen Teil der Menschheit von den Fesseln des Analphabetentums und von Krankheiten zu befreien.

Die diesjährige Konferenz wurde auch die Enzyklika „Laudate si“, verfasst von Papst Franziskus, in welcher er betont, dass es einer neuen universalen Solidarität bedarf, in der die Sorge um die Natur, die Gerechtigkeit gegenüber den Armen, das Engagement für die Gesellschaft und der innere Friede untrennbar miteinander verbunden sind. Nur dann kann die Erde als „unser gemeinsames Haus“ bewahrt werden.

Bilanz der acht Millenniumsentwicklungsziele

Die Millenniumsentwicklungsziele haben zur erfolgreichsten Bewegung im Kampf gegen den Hunger und die Armut in der Geschichte geführt und dienen als Sprungbrett für eine neue Agenda zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung, die dieses Jahr angenommen werden soll. Es wird möglich sein, diese Plagen mit viel Engagement und finanziellen Mitteln innerhalb der nächsten Generation zu beseitigen. Die Millenniumsentwicklungsziele stellten das wichtige Fundament dar und untermauern, dass die Regierungen, die Unternehmen und die Zivilgesellschaft durch eine intensive Zusammenarbeit erreichen, dass die benötigten positiven Veränderungen auf der Erde erzielt werden können, wenn denn der Wille dafür herrscht. Vor dem Hintergrund, dass etwa 6 Milliarden Menschen auf den Planeten im Jahr 2000 lebten, nunmehr aber deren 7,4 Milliarden Menschen sich die Erde mit ihren Ressourcen teilen, wurde vermeldet, dass einige beachtliche Erfolge erzielt werden konnten.

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Andere Ziele jedoch wurden jedoch nicht oder nur unbefriedigend erreicht, darunter auch die Reduzierung der Müttersterblichkeit. Als besondere Schwachstelle der MDGs erkannte man viel zu spät, dass sie zu stark auf einzelne Themen fokussiert waren und den komplexen vernetzten Zusammenhang in Richtung Entwicklung nur ungenügend gerecht wurden.

Es wurde aufgezeigt, dass Millionen Menschen aus der Armut geholt und die Lebensbedingungen für Millionen Frauen und Mädchen verbessert wurden. Die Zahl der Menschen, die noch in extremer Armut leben, ist um mehr als die Hälfte von 1,9 Milliarden im Jahr 1990 auf 836 Millionen im Jahr 2015 gesunken. Zusätzlich konnten beachtliche Erfolge in den Bereichen Gesundheit und Wohlbefinden erzielt werden, um dergestalt neue Möglichkeiten für ein besseres Leben, vor allem in den abgeschiedenen Landesteilen und in den Slums zu erreichen.

Seit dem Jahr 1990 ist die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren um mehr als die Hälfte gesunken, von 90 auf 43 pro 1.000 Lebendgeburten. Die Müttersterblichkeit verringerte sich ebenfalls weltweit um 45 Prozent. Durch gezielte Investitionen bei der Bekämpfung von Krankheiten u.a. Aids und Malaria wurden sehr gute Resultate erzielt.

Des Weiteren wurden wir Zeugen einer erfreulichen Verbesserung bei der Geschlechtergleichheit in den Schulen. Es gehen mehr Mädchen zur Schule und Frauen haben in den letzten 20 Jahren in fast 90 Prozent der 174 Länder politische Erfolge erzielen können. Der durchschnittliche Anteil von Frauen im Parlament hat sich in den vergangenen 15 Jahren fast verdoppelt.

Weltweit haben 2,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu verbesserten Sanitäreinrichtungen und 946 Millionen Menschen müssen noch immer die Notdurft im Freien verrichten – ein großes Gesundheits- und Umweltrisiko.

Es wurde bei allem Erfolg, welcher in Richtung mehr Gerechtigkeit vermeldet wurde, darauf hingewiesen, dass hohe Ungleichheiten zwischen verschiedenen Regionen und Ländern bestehen. Trotz vieler Fortschritte leben derzeit noch immer 1,3 Milliarden Menschen mit weniger als 1,25 $ pro Tag, um das karge Leben zu fristen.

Leider stellen die vielen aktuellen Kleinkriege die größte Bedrohung für die menschliche Entwicklung dar und die ersten Konflikte um Wasser und Ressourcen lodern bereits und verringern die Chance auf eine bessere Zukunft von Millionen Menschen, ihr Los – sie werden Flüchtlinge und irren ziellos in der Welt herum. Die Kinder der ärmsten 20 Prozent aller Haushalte haben eine mehr als doppelt so hohe Unterentwicklungswahrscheinlichkeit wie die der reichsten 20 Prozent. Sie besuchen auch mit viermal so hoher Wahrscheinlichkeit keine Schule. In von Konflikten betroffenen Ländern ist der Anteil der Kinder, die keine Schule besuchen, von 30 Prozent im Jahr 1999 auf 36 Prozent im Jahr 2012 angestiegen.

Mit Blick auf die Umwelt und den Biodiversitätsverlust musste man anerkennen, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid um mehr als 50 Prozent seit dem 1990 angestiegen ist. Der aufkommenden Klimawandel lässt Millionen Menschen zu Umweltflüchtlingen werden. Bedingt durch den Wassermangel, welcher mittlerweile 40 Prozent aller Menschen weltweit betrifft, kommt es folglich zu Ernährungsproblemen. Das Bild wird noch durch das „Landgrabbing“ verdüstert.

Trotzdem verbleibt ein Wermutstropfen, denn die öffentliche Entwicklungshilfe der reichen Industrieländer erhöhte sich zwischen den Jahren 2000 und 2014 um 66 Prozent auf 135,2 Milliarden $. Aber das 0,7 % des BIP wurde außer in einigen Ländern total verfehlt. Nur Dänemark, Großbritannien, Schweden. Norwegen und Luxemburg lagen über dem Zielwert der Vereinten Nationen im Jahr 2014. Man muss diese Zahl mit den weltweiten Militärausgaben in Höhe von Hunderten Milliarden $ vergleichen.

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17 neue nachhaltige Entwicklungsziele wurden auf den Weg gebracht

Die Agenda für nachhaltige Entwicklung beinhaltet 17 Ziele und 169 Unterziele, die bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. Es gilt vor allem, die Armut in jeder Form weltweit zu beenden. Als Novum gilt, dass nunmehr auch die ökologischen Aspekte in die Zielvorgaben Eingang gefunden habe d.h. man führt die Armutsbekämpfung und die Nachhaltigkeit in einer Agenda zusammen. Zudem betreffen diese nachhaltigen Entwicklungsziele nicht mehr nur die Entwicklungsländer, sondern sind für alle Staaten verbindlich.

Die Agenda 2030 möchte Erfolge in vielen Bereichen erzielen u.a. das nachhaltige Wirtschaftswachstum organisieren, die Versorgungsstrukturen für die Städte aufbauen, die menschlichen Lebensräume schützen, die ressourceneffiziente Industrialisierung unterstützen, die nachhaltige Energieversorgung mit den erneuerbaren Energien in die Wege leiten, der Anpassung an den Klimawandel einen hohen Stellenwert zuordnen sowie den nachhaltigen Verbrauch organisieren. Vor allem muss dafür gesorgt werden, dass endlich Frieden herrscht und die Gerechtigkeit in neue Bahnen gelenkt wird. Die Konferenz der Vereinten Nationen hat die 17 Ziele und die 169 Unterziele am 27. September verabschiedet, diese sind im Folgenden aufgeführt:

  1. Die Armut in jeder Form und überall beenden
  2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern
  3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern
  4. Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern
  5. Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen
  6. Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten
  7. Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern
  8. Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
  9. Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
  10. Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern
  11. Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen
  12. Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen
  13. Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen – (in Anerkennung der Tatsache, dass die UNFCCC das zentrale internationale, zwischen-staatliche Forum zur Verhandlung der globalen Reaktion auf den Klimawandel ist)
  14. Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen
  15. Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen
  16. Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
  17. Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben.

Man erkennt, der Verbesserung der Gesundheitsversorgung, vor allem der ärmsten Menschen muss mit Vorrang behandelt werden. Zusätzlich möchte man die Ernährung der Milliarden Menschen auf dem Planeten sichern, doch dazu bedarf es vor allem ertragreicher Agrarflächen und sauberem Wasser. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser erlaubt die Sanitärversorgung von Hunderten Millionen Menschen, im Gefolge werden die mit unsauberem Wasser verbundenen Krankheiten mit Erfolg bekämpft werden. Dies ist in Anbetracht der schleichenden Konsequenzen des Klimawandels eine „titanische“ Herausforderung.

„Die im Entstehen begriffene Post-2015 Entwicklungsagenda, einschließlich der nachhaltigen Entwicklungsziele, strebt danach, auf unsere Erfolge aufzubauen, und alle Länder gemeinsam auf den richtigen Weg zu bringen, im Dienste einer wohlhabenderen, nachhaltigeren und gerechteren Welt”, sagte der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, anlässlich der Konferenz.

Schlussgedanken

Der Handlungsdruck für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele ist groß, hat sich doch die Weltwirtschaft seit dem Jahr 1990 verdoppelt und die geforderte Entkopplung vom Umweltverbrauch wurde nicht erreicht. Die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen sind heute 40 Prozent höher und der globale ökologische Fußabdruck hat sich verdoppelt so hoch. Das bisherige Wohlstandsmodell der reichen Regionen der Welt gerät an seine Grenzen.

Die aktuelle Flüchtlingswelle zeigt eindeutig, dass es mehrere Krisen sind, die die Menschen aus ihren Heimatländern aufbrechen lassen. Es muss uns gelingen, die nachhaltige Entwicklung zum Wohl der bisher benachteiligten Menschen zu entfalten. Die Partnerschaft, die bisher nur einseitig die Reichen auf Kosten der Armen „begünstigte“, kann nicht mehr toleriert werden.

Die nun verabschiedeten 17 Ziele müssen umgehend die brisanten Probleme lösen, vor allem die gerechte Ernährung aller Menschen garantieren und den kleinbäuerlichen Familienbetriebe eine echte Chance in dem sich anbahnenden Liberalisierungsgehabe anzubieten, damit sie auf dem Weltmarkt „mithalten“ können. Dies setzt voraus, dass die Schieflage bezüglich der Zölle mit Vehemenz ausgemerzt wird. Hier muss die Europäische Union ebenfalls ihren Willen bekunden, durch Zollsenkungen den europäischen Markt stärker für Importe aus den Entwicklungsländern zu öffnen.

Als Erfolg kann bereits verbucht werden, dass auf etwa 84 Prozent der Exporte aus den am wenigsten entwickelten Ländern in die Industrieländer keine Zölle im Jahr 2014 erhoben wurden – eine löbliche Tat. Dies erlaubt diesen Ländern ihren Schuldendienst zu begleichen und der Überschuldungsfalle zu entrinnen.

Die Agenda 2030 wird vom Geist einer neuen globalen Partnerschaft getragen, in welcher nur noch eine gemeinsame Verantwortung für alle Menschen hinsichtlich des Planeten und der Umwelt vorherrscht. Die Post-2015 Agenda wird ab 2016 die acht Millenniumsentwicklunsgsziele ablösen, diese ist ein ambitioniertes Vorhaben und die Verwirklichung kann nur gelingen, wenn sich alle Menschen in einer aktiven Zivilgesellschaft zusammenschließen. Wenn sich kein Erfolg einstellen soll, dann werden Konflikte aufkommen und niemand vermag vorauszusagen, welche die Entwicklung die Welt dann nimmt.

Es kann keine weitere Verzögerung hingenommen werden, es bedarf der gemeinsamen Kraft, im Sinne der nachhaltigen Entwicklung das Gleichgewicht zwischen dem wirtschaftlichen Fortschritt, dem sozialen Ausgleich und der ökologischen Vernunft zu vereinbaren. Die Sicherung des Friedens und der Menschenwürde verlangen von uns allen den höchsten Einsatz.

Wie hat es treffend Aart De Geus, der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung formuliert: „Wir als reiche Länder können uns mit unserer wachsenden sozialen Ungleichheit und Ressourcenverschwendung nicht mehr länger als die Lehrmeister der Welt darstellen.”

Und Mahatma Gandhi hat uns persönlich aufgefordert, unsere Denk- und Handlungsweisen zu ändern: „Lebe einfach, damit andere einfach nur leben können.“

Literaturhinweise:

http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/ziele/ziele/2030_agenda/millenniumsziele/index.html

http://menschliche-entwicklung-staerken.dgvn.de/menschliche-entwicklung/ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung-sdgs/

http://www.euractiv.de/sections/entwicklungspolitik/nachhaltige-entwicklung-zu-viele-entwicklungsziele-erschweren-die-un

https://www.eda.admin.ch/post2015/en/home.html

Mit Blick auf die Umweltkonferenz der Vereinten Nationen COP21 in Paris im Dezember 2015

Der Klimawandel stellt mit seinen Folgen ein weltweites Problem dar: viele Regionen der Erde werden mit drastischen Veränderungen zu kämpfen haben – eine Realität, dessen Ausmaß und Geschwindigkeit bedenkliche Masse angenommen haben. Der Klimawandel und der Klimaschutz rücken deshalb immer stärker in den Mittelpunkt der politischen Diskussion.

Die weltweiten Treibhausgasemissionen haben sich seit der Industrialisierung stark erhöht und dies vor allem der Energieversorgungsbereich und das Verkehrswesen. Die Industrie steigerte ihre Emissionen, die Landnutzung und die Forstwirtschaft. Aber auch die Haushalte greifen immer stärker auf die elektrische Energie zurück, welche hauptsächlich auf der Verbrennung der fossilen Energieträger beruht.

Den Ergebnissen der unterschiedlichen Klimakonferenzen entnimmt man, dass alle Anstrengungen bemüht werden, um die globalen Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren. Nur eine Zahl genügt um auf die Gefahr hinzuweisen: Die globale atmosphärische CO2-Konzentration hat sich von etwa 280 ppm (vorindustrieller Wert) auf 405 ppm im Jahre 2014 erhöht. Tritt keine namhafte Verringerung der Treibhausgasemissionen ein, dann wird sich die Temperatur der Erdatmosphäre um 2 Grad C bis Mitte dieses Jahrhunderts gegenüber dem vorindustriellen Niveau erhöhen. Dadurch wird sich die arktische Region schneller erwärmen als der globale Durchschnitt und die Erwärmung über Land wird größer sein als über den Ozeanen. Und bis zum Ende des 21. Jahrhunderts dürfte sich die Temperatur um möglicherweise 4 bis 5 Grad C erhöhen.

Die Weltgemeinschaft ist deshalb gefordert, mehr effektiven Klimaschutz zu leisten und die Anpassung an die Klimaveränderungen umgehend einzuleiten, denn die umfangreichen Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt sind bereits unübersehbar. Die Umweltkonferenz in Paris soll die Wende einläuten. In der Europäischen Union sind höhere Durchschnittstemperaturen zu beobachten und die Niederschläge in den südlichen Regionen verringern sich, während sie in den nördlichen Breitengraden zunehmen. Die Eisdecke in Grönland, das Meereis in der Arktis und zahlreiche Gletscher in Zentraleuropa schmelzen, die Schneedecken schwinden und die meisten Dauerfrostböden enttauen.

Da der Klimawandel potenzielle Schäden durch die extremen Wetterereignisse u.a. Hitzewellen, Fluten und Dürre in Höhe von mehreren Milliarden Euro hervorruft, werden sich neben den Menschen auch die verschiedenen Wirtschaftsbereiche an den Wandel anpassen und die Treibhausgasemissionen reduzieren müssen. Die Mehrheit der Klimawissenschaftler ist sich bewusst, dass ohne zusätzliche Nachweise, die zunehmenden menschlichen Aktivitäten der Auslöser für die sich anbahnende Klimakatastrophe darstellen.

Da die Entwicklungsländer nicht über die benötigten finanziellen Mittel verfügen, um sich an den Klimawandel anzupassen, werden dessen Auswirkungen verschärfte Ungleichheiten hervorrufen. Die vorausgesagte Erwärmung um 2 Grad C würde bedeuten, dass etwa zig Millionen Menschen zusätzlich von Fluten an den Küsten betroffen wären. Nicht nur die Atolle und die Inselstaaten im Pazifischen Ozean, auch die Inselgruppen im Indischen Ozean wären akut bedroht. Das wichtigste Argument für die Begrenzung auf 2 Grad C ist, dass wir den Menschen bewusst machen, dass Rückkoppelungen eintreten können, die zu unvorhersehbaren Folgen führen werden. Nicht nur die Biodiversität wird schwere Schäden erleiden, auch die Menschen werden in letzter Konsequenz ihre eigene Zivilisation gefährden.

Die Begrenzung auf 2 Grad C bedeutet demzufolge, dass die CO2äq-Konzentration der Treibhausgase nicht über 450 ppm steigen darf. Im Umkehrschluss heisst dies, dass die Emissionen um über 60 Prozent gesenkt werden müssen. In einer kürzlich veröffentlichten Studie in der Zeitschrift „nature“ zeigen der Wissenschaftler Malte Meinshausen und seine Mitautoren, dass die Gesamtemissionen für den Zeitraum von 2000 bis 2050 etwa 1000 Milliarden Tonnen CO2äq betragen dürfen, wenn die Grenze von 2 Grad C eingehalten werden soll – dies vor dem Hintergrund, dass seit dem Jahr 2000 jährlich nahezu 50 Milliarden Tonnen CO2äq in die Atmosphäre eingetragen wurden.

Die Auswirkungen der stetigen Erwärmung sind unterschiedlich

Es sei darauf hingewiesen, dass manche Auswirkung des Klimawandels auf einfachen physikalischen Zusammenhängen beruht z.B. die Erhöhung des Meeresspiegels durch die Erwärmung der Ozeane. Andere sind jedoch viel komplexer u.a. die Veränderung der Meeresströmungen und die Auswirkungen auf die Ökosysteme, die Landwirtschaft und die Ernährung sowie die Gesundheit. Derzeit lassen sich erhebliche biologische und physikalische Veränderungen in den Ökosystemen beobachten, welche wiederum von den Jahreszeiten beeinflusst werden, die auch Veränderungen u.a. das Verhalten der Zugvögel und die Laubfärbung der Bäume im Herbst durchlaufen. Durch die Veränderungen der Jahreszeiten werden sich die Klimazonen verschieben.

Im Folgenden sollen die Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche der Wirtschaft beleuchtet werden.

1°        Die Ozeane

Durch einen erhöhten CO2-anteil sind besonders die Meere betroffen und deren Versauerung wird gesteigert, demzufolge entsteht ein erheblicher Druck auf die Biodiversität in den Weltmeeren. Die Versauerung durch den ungebremsten CO2-Eintrag und die damit verbundene Kohlensäurebildung greift die Skelette von Korallen und die Kalkschalen der Meerestiere an. Wenn die CO2-Emissionen nicht verringert werden, dann wird der pH-Wert von aktuell 8,1 bis Mitte des 21. Jahrhunderts auf 8,0 und bis Ende des Jahrhunderts auf 7,8 sinken.

Neben der Versauerung sind Meere ebenfalls durch die Erhöhung des Meeresspiegels betroffen, dies erhöht das Risiko von Überflutungen von Küstenstreifen. Den meteorologischen Unterlagen entnimmt man, dass der globale durchschnittliche Meeresspiegel einen jährlichen Anstieg von 1,7 mm im 20. Jahrhundert aufweist. In den vergangenen Jahrzehnten erhöhte sich dieser auf 3 mm jährlich. Die Meteorologen rechnen mit einer Erhöhung von 52 bis 98 cm bis zum Ende des 21. Jahrhunderts, dies jedoch ohne den sich steigernden Abschmelzprozess der Eisschilde in der Arktis, in der Antarktis und in Grönland zu berücksichtigen. Würde das gesamte Eis auf Grönland auftauen, würde sich der Meeresspiegel um 7 m erhöhen. Die Schmelze des grönländischen Eisschildes verdoppelte sich seit den 1990ern, mit einem jährlichen Masseverlust von 250 Mrd. Tonnen während des Zeitraums von 2005 bis 2009. Im Jahr 2013 betrug der Verlust mehr als 300 Mrd. Tonnen.

Die Arktis erwärmt sich weitaus schneller als andere Regionen, dabei verstärkt sich die Erwärmung, denn die kühlenden hellen Eisflächen, welche das Sonnenlicht reflektieren, werden zunehmend durch dunkle, die Strahlung absorbierende, Flächen ersetzt – der Albedoeffekt wird verringert. Schmilzt das Eis weiter, fällt verstärkt Sonnenlicht auf die dunklen Flächen, die Temperatur steigt und durch Rückkopplung erhöht sich der Schmelzvorgang.

Der Klimawandel ruft ebenfalls die Erhöhung der Meerestemperatur hervor, welche eine starke Auswirkung auf die Artenvielfalt der Ozeane hat. Weitaus grösser ist jedoch die Gefahr, welche durch die Veränderung der Meeresströme aktiv wird. Es könnte im „worst case“ zu einem Versiegen des Golfstroms und in dessen Gefolge zu einem massiven Kälteeinbruch im Nordwesten Europas kommen, dies durch das rasante Abschmelzen der Gletscher. Zusätzlich werden durch die Erwärmung gewaltige Mengen an Süßwasser von den Gebirgen über die Flüsse zu den Ozeanen gebracht, verheerende Überschwemmungen sind somit vorprogrammiert. In Europa stellen wir einen steigenden Schwund der Alpengletscher fest, sie büßten ungefähr zwei Drittel ihres Volumens seit dem Bezugsjahr 1850 ein.

Durch die gesteigerte Temperatur der Weltmeere kommt es auf den Landflächen zu erhöhten Niederschlagsmengen und starken Überschwemmungen. Auch ist von einer bereits stark zu beobachtenden Zunahme von tropischen Wirbelstürmen auszugehen. Der Klimawandel wird zunehmend Flusshochwasser verursachen, da sich der Wasserkreislauf durch die hohen Temperaturen verstärkt. Ebenso werden Waldbrände durch den Klimawandel immer häufiger, da die Verschiebung der Klimazonen mehr Waldgebiet austrocknet und somit die Brandgefahr steigt.

Durch die positive Rückkoppelung erhöht sich die Temperatur der Weltmeere weiter und deren Schichtung wird stabiler. Das warme Oberflächenwasser liegt im Meer relativ stabil auf dem kühleren und dichteren Tiefenwasser. Die Durchmischung mit dem tiefer liegenden und nährstoffreichen Wasser verringert sich. Aufgrund des zurückgehenden Nährstoffangebots wird auch weniger CO2 in organisches Material eingebaut. Die Konsequenz besteht in der verringerten CO2-Aufnahme der wärmeren Ozeane, sodass ein steigender Anteil in der Atmosphäre verbleibt und demzufolge der Temperaturanstieg verstärkt wird. Im schlimmsten Fall kann das bereits eingelagerte CO2 in den Ozeanen herausdiffundieren.

2°        Das Auftauen des Permafrostbodens

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen warnt eindringlich vor der Gefahr, welche durch das Auftauen der riesigen Gebiete des Permafrostes hervorgerufen werden. Die arktischen Böden enthalten etwa 1700 Milliarden Tonnen Kohlenstoff d.h. doppelt so viel, wie sich derzeit in der Atmosphäre befindet. Dieser wird beim Auftauen nach und nach als CO2 und in Form des noch stärkeren Treibhausgases CH4 (Methan) freigesetzt.

Durch den Eintrag des Methans in die Atmosphäre wird die Erderwärmung zusätzlich gesteigert, da dieses Treibhausgas eine 28-fache Wirkung auf den Treibhauseffekt als das CO2 ausweist. Ein ähnliches Problem stellen zahlreiche Methanhydrate im Meeresboden dar. Auch hier wird bei einem Temperaturanstieg der Meere das Methan freigesetzt und gelangt in die Atmosphäre.

3°        Die Fauna und die Flora sind einem verstärkten Druck ausgesetzt

Nicht so spürbar wie Wetterextreme, aber langfristig noch bedeutender ist die Auswirkung des Klimawandels auf die Ökosysteme, aufgrund ihrer Komplexität sind diese jedoch schwieriger einzuschätzen. Eine Temperaturerhöhung um mehrere Grad C würde tief greifende Auswirkungen haben; sie übersteigt die Anpassungsfähigkeit vieler Tiere und Pflanzen. Das bereits zu beobachtende Massensterben von Arten würde beschleunigt werden.

Es gibt außerdem Anhaltspunkte für die Veränderung der Klimazonen und der Verschiebung der Vegetationszonen. Bei einer Temperaturerhöhung von 1 Grad C kann man von einer Verschiebung der Vegetationszonen um etwa 200 bis 300 km in Richtung der Pole bzw. um 200 Höhenmeter ausgehen. Da sich zahlreiche Arten nicht schnell genug an die Geschwindigkeit des Klimawandels anpassen können, könnten sie aussterben.

4°        Die Landwirtschaft und die Ernährung der wachsenden Bevölkerung

Die zunehmende Wärme wird den Wasserkreislauf der Erde stark belasten, es werden immer mehr Dürren, Überschwemmungen und Stürme mit verheerenden Auswirkungen auftreten. Heutige Trockengebiete werden noch trockener und wo heute bereits Überschwemmungen vorherrschen, werden die Menschen mit noch schlimmeren Ereignissen rechnen müssen. Für Südeuropa werden schlechtere Lebensbedingungen durch hohe Temperaturen und geringere Wasserverfügbarkeit vorausgesagt. In Mittel- und Osteuropa werden sich die Niederschläge im Sommer verringern und das gesundheitliche Risiko als Folge von Hitzewellen zunehmen. Es dürfte auch zu Verschiebungen der Niederschlagsgürtel kommen – die trockenen Gebiete um den 30. Breitengrad dürften sich in höhere Breiten verschieben.

Bei der möglichen Erhöhung der Temperatur um 2 Grad C werden z.B. das weite Teile Afrikas und die Mittelmeerregion über weniger Wasser (zwischen 20 bis 30 Prozent) verfügen. In den reichen Ländern des Nordens könnten dagegen die Erträge zunächst erhöht werden, denn das CO2 wirkt als Dünger und die Wachstumssaison wird länger. Die zunehmenden Wetterextreme könnten jedoch einen Teil der erhofften Steigerung wieder zunichtemachen und mit weiter steigenden Temperaturen kehrt sich die Tendenz um. Die aufkommende Trockenheit wird fruchtbare Regionen für die Landwirtschaft unbrauchbar machen. Angesichts der aktuellen Lage muss man davon ausgehen, dass kriegerische Auseinandersetzungen um die Wasserreserven und die fruchtbaren Landstriche entbrennen werden – der Klimawandel wird den Hunger auf der Welt verschärfen.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass in Afrika bis zu 250 Millionen Menschen aufgrund der Klimaänderung unter zunehmender Wasserknappheit mit Blick auf das Jahr 2020 leiden. In einigen afrikanischen Ländern könnten sich die Erträge aus der vom Regen abhängigen Landwirtschaft bis zum Jahr 2020 um bis zu 50 Prozent reduzieren und somit die Nahrungsmittelknappheit auf dem Kontinent verstärken. Zusätzlich wird das „Landgrabbing“ diese Situation noch dramatisch verschärfen. Mit Fug und Recht muss man anerkennen, dass der Klimawandel vor allem die 700 Millionen Kleinbauernfamilien in den armen Ländern noch ärmer macht und ihre Existenz auf das Höchste bedroht ist.

5°        Die menschliche Gesundheit leidet unter dem Klimawandel

Die Hitzewellen haben hinsichtlich der Häufigkeit und Dauer zugenommen und im vergangenen Jahrzehnt Zehntausende von Todesfällen verursacht. Der prognostizierte Anstieg von Hitzewellen könnte in den nächsten Jahrzehnten zu einer zunehmenden Zahl von frühzeitigen Todesfällen führen. Neben diesen Turbulenzen fällt der Übertragung von bestimmten Krankheiten eine immer größere Rolle zu. So ermöglicht der Klimawandel der Zecke (Ixodes ricinus), welche u.a. die Zeckenborreliose überträgt, nunmehr auch in den nördlichen Gefilden zu leben. Die Pollensaison ihrerseits ist länger und stellt sich 10 Tage früher als vor 50 Jahren ein, was ebenfalls negative Eingriffe auf die menschliche Gesundheit hat.

6°       Hunderte Millionen Menschen verlassen ihre angestammte Heimat

Der Klimawandel wirkt sich bereits jetzt auf die Lebensqualität der Menschen aus. Doch die Auswirkungen werden zunehmen und immer deutlicher sichtbar. Dabei steht der Mensch vor neuen Herausforderungen, denn nicht nur die Umwelt, sondern das ganze gesellschaftliche Leben wird sich verändern. Dieser Wandel wird die größte Herausforderung für die Menschheit werden, Hunderte Millionen Menschen werden durch diesen leiden und ihre Lebensqualität wird sich stark verringern. Die Menschen, die am Schlimmsten betroffen sind, sind aber diejenigen in den Entwicklungsländern und die am wenigsten Schuld an dem Problem haben.

Bereits seit ein paar Jahren häufen sich auch von politischer Seite aus die Meinungen, dass der Klimawandel den Weltfrieden bedrohen könnte. So sieht man ein erhöhtes Risiko für Kriege wegen der lebensnotwendigen Ressourcen u.a. das Wasser und fruchtbaren Agrarflächen. Dies führt zu einer gesteigerten Flucht der armen Menschen hin zu den reichen Industrieländern – wie wir es derzeit mit Millionen von Klimaflüchtlingen erleben. Die Vereinten Nationen und viele andere internationale Organisationen rechnen mit einer erheblichen Zunahme der weltweiten Flüchtlingsströme; im Jahr 2050 könnten mehrere Hunderte Millionen Menschen auf der Flucht sein.

 

Schlussfolgerungen

Der Klimawandel ist nicht mehr zu bestreiten und die Auswirkungen springen ins Auge. Die Menschen müssen sich bewusst werden, dass jeder sein Teil zum Schutz des Klimas beitragen muss – jedoch mit unterschiedlicher Gewichtung. Den Energiehunger der Industrie- und den aufstrebenden Schwellenländer müssen wir verringern und im Gefolge die Emission der schädlichen Treibhausgase. Die globale Energiewende wird die erneuerbaren Energiequellen in den Vordergrund rücken und das Verhaltensmuster muss zu einem gesteigerten Ressourcenschutz führen.

Die Zeit ist gekommen und das Wissen ist vorhanden, der Umdenk- und der Umlenkprozess müssen umgehend beginnen. Eingedenk der Tatsache, dass der Klimawandel die Menschheit erstmals mit einem Problem konfrontiert, dessen zeitliche Dynamik mehrere Generationen betreffen. Diese Art von voraussehendem Handeln bedeutet einen Quantensprung der Menschheit und das Aufsuchen der geeigneten Lösung wird zeigen, ob die Menschheit künftig nachhaltig überlebensfähig ist.

Der verlangte Klimaschutz setzt somit eine weltweite Zusammenarbeit voraus.

Die internationalen weltpolitischen Zusammentreffen u.a. die kommende COP21 in Paris im Dezember 2015 sollen das ökologische Bewusstsein innerhalb der Bevölkerung schärfen und der Weltgemeinschaft zeigen, dass die Zeit nunmehr gekommen ist, das dringendste Problem unserer Zeit mit Kraft und Vehemenz resolut anzugehen.

Die Kehrtwende in der Energiewende heißt: Den Verbrauch der fossilen Energieträger verringern und die Treibhausgasemissionen um 50 bis 60 Prozent bis zum Jahr 2050 verringern, damit wir die katastrophalen Folgen des Klimawandels noch vermeiden können. Die in den Mittelpunkt gerückte Anpassungsstrategie verlangt die drastische Verringerung der Treibhausgasemissonen. Je weniger und später verringert wird, desto schwieriger und kostspieliger wird die Klimaanpassung.

Bis zum Jahr 2100 sollte dann die „karbonfreie Weltwirtschaft gestaltet“ vorherrschen, denn der Klimaschutz und die Klimaanpassung sind untrennbar miteinander verbunden.